Zwei Drehtage für knapp 500 Sekunden Filmmaterial – das klingt nicht nach einem besonders aufwändigen Projekt. Aber der neue Werbespot von Chocri hat es in sich: Aus 92 kurzen Sequenzen können Internetnutzer exakt 104.976 verschiedene individuelle Werbespots basteln. Spots, in denen ein Chocolatier nach der Pfeife des Zuschauers tanzt, sich verkleidet, mit Unterwäsche beworfen wird, Schläge einstecken muss oder plötzlich in einer unverständlichen Sprache spricht. Alle Varianten anzuschauen würde mehr als 36 Tage dauern.

spendino

Chocolatier nach Nutzerwunsch:
Gewalt, Sex oder Comedy?

Auf der Chocri-Homepage lassen sich nicht nur Millionen verschiedene Schokotafeln kreieren, sondern auch Tausende indiduelle Formen des Werbe-Spots. Auf Wunsch rührt der Chocolatier mit einer Banane in der Schokolade, flucht, bekommt Faustschläge ab oder wird in erotische Spielchen verwickelt. Die Chocri-Gründer Franz Duge und Michael Bruck hoffen, dass sich die Spots viral in Sozialen Netzwerken verbreiten.

“Wer unsere Homepage besucht, kann nicht nur Schokotafeln nach Wunsch kreieren, sondern jetzt auch den passenden Werbespot”, sagt Franz Duge, der das Berliner Startup Chocri vor knapp zwei Jahren mit Michael Bruck gegründet hat. Im Jahr 2009 gewannen die beiden den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb und damit ein Paket aus wertvollen Sachleistungen. So auch Support von der Hamburger Kreativagentur Jung von Matt, einem der Partner des Wettbewerbs. Kreative Köpfe der Agentur entwickelten daraufhin auf Basis der gemeinsam erarbeiteten Positionierung die Idee für den interaktiven Chocri-Spot – mit einem “Bonsai-Budget”, aber mit großem Gespür für den Zeitgeist.

Denn interaktive Werbung liegt im Trend: Schon im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 machten personalisierte Wahlspots die Runde. Jedes Jahr in der Weihnachtszeit können Internetnutzer auf der Seite elfyourself.com ihr Foto  hochladen und sich in tanzende Elfen verwandeln – dahinter steckt der US-amerikanische Büroausstatter OfficeMax. Und kürzlich veröffentlichte Tipp-Ex einen Werbespot, in dem die Zuschauer einen Bären und einen Jäger schmusen, kämpfen oder sonstwas tun lassen können. Der Spot soll weniger als 700.000 Euro gekostet haben, verbreitete sich über Soziale Netzwerke wie Facebook geradeu epidemisch und wurde seit Mitte August millionenfach angeschaut. Ein gutes Beispiel für “virales Marketing” – und ein Erfolg für Tipp-Ex, das man im PC-Zeitalter schon fast vergessen hatte.

Franz Duge und Michael Bruck hoffen, dass sich ihr Video genauso rasant im Netz verbreitet. “Der erste Tag lief schon ganz gut”, sagt Duge, “der interaktive Spot wurde knapp 200 Mal bei Facebook empfohlen.” Außerdem haben die Gründer ausgewählte Varianten des Spots im Fernsehen geschaltet – auch das dürfte weitere potenzielle Kunden auf die Homepage des Startups locken.

Duge selbst hat übrigens auch einen Spot komponiert, der im Videoportal Youtube zu sehen ist – sein Mitgründer Michael Bruck hat dasselbe vor. Die beiden haben eine Wette abgeschlossen: Derjenige, dessen Filmchen seltener angesehen wird, muss zur Strafe den Spot des anderen nachspielen – bekleidet “nur in einer Rosa Kochschürze”. Selbstverständlich will chocri auch diesen besonders individuellen Spot später im Netz ausstrahlen.