Sie kamen, präsentierten und begeisterten – alle voran Frank Thelen und Judith Wiiliams. Warum Chef.One am Ende trotzdem keinen Deal mit den Löwen einging.

Man hatte die Löwen selten so überwältigt gesehen. In der letzten Folge der diesjährigen Staffel der Höhle der Löwen überboten sich die Juroren an Begeisterungsbekundungen. Der Grund: Das Hamburger Start-up Chef.One.

Mit ihrer „Social Dining Plattform“ wollen die Gründer Erdal Alim (33), Philipp Benseler (32) und Dogan Ayhan (25)  die Gastronomieszene revolutionieren und über eine App Hobbyköche in deren eigenen vier Wänden mit Gästen zusammenbringen, die so den Abend mit neuen Bekannten statt alleine im Restaurant verbringen.

Mit dieser Idee weckten die Gründer den Appetit der Löwen, allen voran den von Judith Williams und Frank Thelen. Statt der von den Gründern angepeilten 15 Prozent für 100.000 Euro forderten diese jedoch 25 Prozent – für 150.000 Euro.

Lange Diskussionen benötigten die Gründer nicht und schlugen sofort ein. Ein vielversprechender Anfang, doch zum Deal kam es am Ende nicht. Was dahinter steckt und wie das Verhältnis zu den Löwen heute aussieht, erzählt  Philipp Benseler im Interview.

Herr Benseler, mit ihrem Konzept haben Sie in der gestern ausgestrahlten Sendung für große Zustimmung gesorgt. Wie ging es denn nach der Aufzeichnung weiter?
Zum Deal ist es am Ende nicht gekommen. Wir haben uns nach dem Pitch Ende März einige Monate lang intensiv mit Judith und Frank und ihren Teams ausgetauscht, aber irgendwann war klar: Ein Investment können sich beide Seiten nicht mehr vorstellen.

Warum das?
Unsere Vorstellungen bezüglich der strategischen Entwicklung waren zu unterschiedlich, sowohl was die Wachstumsgeschwindigkeit, als auch was die Zielgruppe angeht. Wir waren trotzdem sehr stolz auf das Ergebnis des Pitches, sogar Ralf Dümmel hat gesagt, dass er das erste Mal erwägt in eine App zu investieren.

Wie ist Ist Verhältnis zu Frank Thelen und Judith Williams heute?
Sehr gut, wir stehen nach wie vor in Kontakt. Frank hat uns kürzlich noch mit Tipps unterstützt wie wir uns im Vorfeld auf die Ausstrahlung der Sendung vorbereiten sollen.

Wie finanzieren Sie Ihr Start-up ohne das erhofft Geld von den Löwen?
Wir hatten von Anfang, sogar noch bevor wir auch nur eine Website hatten, die Primera Beteiligungsgesellschaft aus Hamburg mit an Bord. Victoria und Lars Hebel besitzen 20 Prozent an Chef.One und unterstützen uns nicht nur finanziell, sondern auch aktiv, zum Beispiel durch Presse-und Marketingarbeit. Wir haben die beiden in unserem ehemaligen Co-Working Space kennengelernt, als sie sich dort nach interessanten Start-up Ideen umgesehen haben. Eddi hatte darüber hinaus all sein privates Vermögen in unser Start-up investiert, ich schieße aktuell immer wieder etwas nach, wenn Bedarf da ist. Und dann hält ein norwegischer Pokerspieler, den Eddi mal auf einer Reise in Kolumbien kennengelernt hat, noch zwei Prozent (lacht)

Im Ernst?
Ja, er fand unsere Idee genial, hatte gerade gute gespielt und gewonnen und wollte sich unbedingt beteiligen. Eddi verwaltet seine Anteile treuhänderisch.

Frank Thelen hat in der Sendung gesagt, dass ein Investment eine Art Wette sei – nach dem Motto: Entweder geht ihr durch die Decke, oder sein Geld ist weg.
Wir glauben daran, dass wir mit unserer Idee einen Trend auslösen können. Die Zeit ist reif dafür: Wir haben den Eindruck, dass die Leute sich danach sehnen sich in der Realität zu treffen und nicht nur virtuell. Während sie zusammen gekommen, sind die Smartphones auf einmal nur noch Nebensache, allenfalls werden sie hervorgeholt, um Telefonnummern auszutauschen.

Wer sind Ihre Nutzer?
Das ist ganz unterschiedlich: Von Studenten Anfang 20 bis hin zum 73-jährigen Rentner. Genau das macht auch den Reiz aus. Was allerdings alle eint ist eine gewisse Weltoffenheit und die Lust daran neue Leute kennenzulernen, denn es geht ja bei uns in erster Linie um den sozialen Faktor  und weniger um das Essen an sich, wobei es auch einige Fine Dining Angebote  gibt. Aber wir ermuntern die Leute auch einfache Gerichte anzubieten, die man für 15 Euro buchen kann – Hauptsache sie haben einen schönen Abend.

Wie sehen aktuell die Zahlen aus?
Wir haben 500 Gastgeber und 35000 registrierte User. Insgesamt gab es bereits 1000 Events, vor allem in den Großstädten wie Berlin, Hamburg und Köln.

Und in ein paar Jahren?
Gibt es uns hoffentlich weltweit und Chef.One ist in aller Munde – ähnlich wie Airbnb heute.