Im Elevator-Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von Chargery an: Christian Lang, Philipp Anders und Paul Stuke. Ihre mobile Ladesäule für E-Autos soll nicht nur Fahrer begeistern. Wie urteilt Investorin Milda Jasaite?

Eine halbe Minute mit Investorin Milda Jasaite im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Carsharing-Dienste wie Drive Now setzen mehr und mehr Elektroautos in den Städten ein. Sie müssen diese Wagen aufladen. Wir nehmen ihnen das mit unserer eigens entwickelten mobilen Ladesäule ab, einem großen Akku, den wir per Fahrrad zum Auto bringen. Und wenn unser Mitarbeiter einmal am Wagen ist, kann er ihn sauber machen und Kleinigkeiten reparieren. Demnächst werden wir dies auch Privatkunden anbieten. Bei einigen Autoherstellern wird unser Service für einige Monate inklusive sein, wenn jemand ein E-Auto kauft.

Wie seid  ihr auf die Idee gekommen?
Mitgründer Christian hatte für einige Wochen ein E-Auto. Die nächste Ladesäule stand aber 15 Gehminuten von seiner Wohnung entfernt. Als er von einem Lieferdienst für Benzin in England hörte, kam ihm die Idee.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Der Strom ist bei uns teurer als aus der Steckdose. Für den Carsharing-Dienst lohnt sich das trotzdem, da seine Kunden nicht erst zu einer Ladesäule fahren und warten müssen, bis der Wagen geladen ist. Das Unternehmen kann zudem weitere Leistungen wie die Reinigung hinzubuchen. Noch sind wir damit nicht profitabel, auch weil wir in die Expansion investieren. Aber wir streben Ende 2020 einen Gewinn an.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) … Wir stehen immer unter Strom, achten dabei aber darauf, dass die Stimmung nicht leidet.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Uns fehlt zurzeit noch eine Frau im Team. Ansonsten sind wir sehr divers – mit Mitarbeitern aus Pakistan, Portugal und aus Bayern.

Was war euer größter Rückschlag?
Uns wurde unser erster Prototyp geklaut. Wir hatten ihn nur mit einem Fahrradschloss gesichert. Zum Glück haben wir ihn unversehrt wiedergefunden. Inzwischen haben wir da nachgerüstet.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir der Treiber für Elektromobilität in Europas Städten – keine ganz kleine Aufgabe.

Fakten zum Start-up

Gründung: 2017, verfügbar zurzeit nur in Berlin, ab Sommer auch in weiteren deutschen Städten
Mitarbeiter: zehn Mitarbeiter

Wie urteilt der Profi?

Idee: 2/5
Geschäftsmodell: 2/5
Timing: 4/5
Urteil: „Der Markt für diese Serviceleistungen ist klein und schwer zu verteidigen. Deshalb ist es extrem wichtig, die Carsharing-Firmen früh an sich zu binden.“
Milda Jasaite arbeitet für den Wagniskapitalgeber Earlybird, der zu den erfahrensten Start-up-Investoren Europas zählt.