Die Software von Celonis hilft Unternehmen dabei, enorme Mengen an Daten zu durchblicken, darzustellen und dadurch Probleme aufzuspüren. Namhafte Kunden hat die junge Firma schon. Jetzt kommen prestigeträchtige Investoren dazu.

Von Manuel Heckel

Von einem „Spaghettiprozess“ sprechen Informatiker, wenn es um die Verbindungen in riesigen und oft unstrukturierten Datensätzen geht – weil deren Darstellung aussieht wie ein wild hingeklatschter Haufen Pasta. Die wichtigen Zusammenhänge in ihren Datenschätzen zu entdecken, danach streben zahlreiche Unternehmen. Dem Münchener Start-up Celonis ist es gelungen, eine hilfreiche Software für dieses „Process Mining“ zu entwerfen. Das hehre Ziel: Die Big-Data-Analyse soll so einfach werden wie eine Google-Suche.

Die Palette der Anwender ist bunt – und für ein so junges Unternehmen erstaunlich prominent: RWE lässt mithilfe der Software Kundenbeziehungen analysieren und will etwa rauskriegen, wie kündigungswillige Kunden doch noch gehalten werden können. Siemens und Nestlé setzen das Programm ein, um ihre Logistikketten zu verbessern. Banken und Versicherungen überprüfen, ob ihre Compliance-Vorgaben bei jeder Transaktion erfüllt werden. „Dem Programm ist die Branche eigentlich egal: Es versteht und spricht die Sprache zahlreicher Quelldaten“, sagt Mitgründer Alexander Rinke.

Die drei Gründer starteten vor knapp fünf Jahren mit 12 500 Euro Eigenkapital und haben sich bislang komplett selbst finanziert. Richtig viel Schwung gibt eine Vetriebspartnerschaft mit SAP. Der Softwareriese bringt Celonis seit vergangenen Herbst in Kombination mit der Datenbanktechnologie Hana weltweit an die Kunden. Trotz dieser Erfolgsgeschichte Marke Eigenbau kommen jetzt finanzstarke und prestigeträchtige Partner dazu: Die amerikanischen Venture-Capital-Fonds Accel Partners und 83North investieren 27,5 Millionen US-Dollar in Celonis – die drei Gründer behalten aber weiterhin die Mehrheit, bestätigt Alexander Rinke.

Die neuen Investoren gehörten unter anderem zu den frühen Finanziers von Facebook oder Dropbox. „Wir wollen eine richtig große Firma aufbauen“, sagt Rinke, „da helfen uns das Netzwerk und die Expertise extrem weiter.“ Das Geld soll in erster Linie dazu dienen, international aufzufallen: Bald wird neben der kleinen Dependance im Silicon Vallye ein Büro in New York eröffnet, Niederlassungen in Asien sollen in den nächsten 24 Monaten folgen. „Jetzt fühlen wir uns reif genug, diese Schritte zu gehen“, sagt Rinke.

 

Steckbrief

Celonis
Gründer: Martin Klenk, Bastian Nominacher, Alexander Rinke
Gründung: 2011
Sitz: München
Mitarbeiter: 80
Umsatz (2015): ca. 10 Millionen Euro
Kunden: über 200 Unternehmen aus 15 Branchen – darunter Finanzen, Konsumgüter, Industrie
Finanzierung: 27,5 Millionen US-Dollar von Accel Partners und 83North