Bei einer Diskussionsrunde auf  der IT-Messe Cebit trafen Gründer auf Politiker und machten deutlich, was sie sich für die Zukunft wünschen.

Das Start-up war gerade gegründet, da kam Post vom Finanzamt. Und kurz danach noch mal. Und noch einmal: Drei Mal innerhalb kürzester Zeit musste sich Thomas Wuttke, Gründer des Start-ups Diafyt, einer Umsatzsteuersonderprüfung stellen. Das kostete das Start-up jeweils mehr als eine halbe Woche und warf den Zeitplan über den Haufen. „Wir mussten alle administrativen Prozesse zur Verfügung haben, die man in der Phase gar nicht zur Verfügung haben kann“, sagt Wuttke, der mit seinem Team an einer Software bastelt, die Diabetikern bei der Berechnung der richtigen Insulin-Menge helfen soll.

Schwieriger Austausch zwischen Politikern und Gründern

Auch wenn Angela Merkel vor wenigen Wochen ein paar ausgewählte Gründer zum Gespräch traf, auch wenn viele Politiker gerne und ausgiebig die Bedeutung von Start-ups loben – der Austausch zwischen Politikern und der Gründerszene ist nicht immer problemfrei. Mitten in der „Scale 11“, der Start-up-Halle der IT-Messe Cebit, trafen gestern daher Unternehmer, Verbandsvertreter und Politiker zusammen. In einer Diskussionsrunde, organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung, ging es um die größten Baustellen im Miteinander.

Ein Schnellkurs in deutscher Bürokratie

Dabei beschrieben die Teilnehmer ein ambivalentes Bild. Die Strahlkraft Deutschlands – und insbesondere Berlins – sei ungebrochen, betonte etwa Laura Kohler, Geschäftsführerin des etventure Start-up-Hubs. 1000 Bewerbungen von jungen Unternehmen aus ganz Europa habe man kürzlich erhalten, berichtete sie. „Wenn sie dann einmal da sind, könnte es aber besser laufen“, so Kohler. Neun Gänge zu verschiedenen Ämtern seien nötig, bis ein Unternehmen tatsächlich gegründet sei. „Für Gründer von außerhalb gibt es erst einmal einen Schnellkurs in deutscher Bürokratie“, fügte Sascha Schubert hinzu, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutsche Start-ups. Ein Blick in die Ferne zeige, wie es anders gehen könne: „Was in Israel in 14 Tagen klappt, kann in Deutschland 14 Wochen dauern.“

Das Problem: Ein Sonderstatus für schnell wachsende Technologieunternehmen ist rechtlich nur schwer darstellbar. „Wir brauchen auch Leitplanken des Marktes“, betonte Bundestagsabgeordneter Mark Hauptmann (CDU) und verwies auf die Auseinandersetzungen zwischen Taxifahrern und Diensten wie Uber. Erst in der vergangenen Woche hatten der Verband der Automobilindustrie und der Start-up-Verband in einem Thesenpapier mehr Freiheiten gefordert.