Catharina van Delden ist Mitgründerin von Innosabi und jüngstes Präsidiumsmitglied des Digitalverbands Bitkom. Im Interview spricht sie darüber, woher gute Ideen kommen – und wie es gelingt, dass das so bleibt.

Die richtige Idee steht am Beginn der meisten Start-up-Storys. Doch wie schaffen es die jungen Unternehmen, auch langfristig nicht das Gefühl für Innovationen zu verlieren? Catharina van Delden ist Mitgründerin von Innosabi und jüngstes Präsidiumsmitglied des Digitalverbands Bitkom. Jüngst hat die Softwareplattform für Innovationsmanagement eine Zusammenarbeit mit dem Erotikshop „Eis“ bekannt gegeben: Über die nächsten Wochen sollen Fans hier online ein „Lovetoy“ gestalten. Im Interview spricht van Delden darüber, woher gute Ideen in jungen Unternehmen kommen – und wie es gelingt, dass das so bleibt.

Interview: Manuel Heckel

WirtschaftsWoche Gründer: Start-ups gelten  als kreative Schmelzpunkte, in denen Ideen im Fließband entstehen und rasch umgesetzt werden. Was ist da wirklich dran? 

Catharina van Delden: Es ist ja oft nicht so, dass man sich das aussuchen kann: Die Agilität ist vielen Start-ups ja schon vorgegeben durch Budgetrestriktionen. Man muss zielgerichtet und unkompliziert arbeiten, um überhaupt Dinge schnell genug am Markt platzieren zu können. Dass das so bleibt, ist auch für Start-ups eine große Frage der Unternehmenskultur: Wie lebe ich das als Gründer vor, wie arbeite ich im Team zusammen? Dieser Spirit lässt sich in der Regel gut beibehalten – ich habe nur wenige Start-ups gesehen, wo das sich innerhalb weniger Jahre zum Mittelstandsdenken dreht.

Kann man sich mit dem Gründungsteam tatsächlich Zeit für Innovationen verordnen?

Wer stehen bleibt, verliert. Gerade als Start-up im digitalen Umfeld ist das Softwareprodukt nach zwei oder drei Jahren alt. Egal, wie innovativ das Geschäftsmodell am Anfang ist – auch als junges Unternehmen muss man konstant dran arbeiten, sein Produkt weiterzuentwickeln und entlang den Bedürfnissen der Kunden auszurichten. Das ist ein Prozess, der nicht aufhört. Oft geht es ums sogenannte „Pivoting“, also das Geschäftsmodell etwas zu drehen oder anzupassen. Konstant das Geschäftsmodell zu hinterfragen und nicht beim Status quo zu bleiben – das ist etwas, was jedes gute Start-up in seiner DNA hat.

Und das klappt so neben all den anderen Aufgaben?

Es hängt natürlich eng zusammen mit der Finanzierung. Wenn die gesichert ist, hat man eine gewisse Grundlage, um sich weiterentwickeln zu können. Aber generell ist die Arbeit in einem Start-up immer hektisch und fordernd. Die Herausforderung, dass man sich Zeit für solche Dinge nehmen muss, die hat man von Tag 1 – und nicht erst, wenn man erfolgreich ist.

Was kann helfen, dass die guten Ideen nicht ausgehen?

Wenn man nur in seinem eigenen Saft schmort, wird man sich nicht richtig weiterentwickeln. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Wir haben ziemlich früh einen Beirat etabliert, mit dem wir uns eng austauschen.  Mir hilft da sicher der Posten im Bitkom-Präsidium – da sind tolle Menschen mit unglaublich viel Erfahrung, an die man sich auch einmal zur Seite nehmen kann für eine Frage. Aber:  Offizielle Gremien helfen, aber wichtig sind auch informelle Treffen und Gespräche. Dafür ist sicher auch entscheidend, wie das Kommunikationsverhalten der Gründer ausgeprägt ist.

Zeit ist Geld. Warum sollten sich andere Unternehmer mit jungen Gründern austauschen wollen?

Viele nehmen sich gerne die Zeit mit uns, weil sie das Gefühl haben, selbst für sich etwas zu lernen – wie Start-ups arbeiten oder wie sie Dinge anders angehen. Man ist selten in einer Situation, in der man eine Frage hat und der andere liefert nur die Antwort. Es ist eigentlich immer so, dass sich aus einem Austausch ein spannendes Thema ergibt, aus dem beide Seiten etwas für sich mitnehmen.