Der Chef und Gründer des Roboadvisors Cashboard erklärt im Interview, wie sich die Krise an den Finanzmärkten bei dem Fintech-Start-up bemerkbar macht.

Bereits 2010 startete Robert Henker mit der Entwicklung seines Start-ups Cashboard. Dessen Nutzer können online Geld anlegen und dabei zwischen verschiedenen Anlagestrategien wählen. Algorithmen suchen passende Finanzprodukte, Cashboard vermittelt sie und verspricht für die ersten 10 000 Euro zwei Prozent Garantiezins pro Jahr. Von den Gewinnen, die über zwei Prozent liegen, erhält das Start-up zehn Prozent Provision.

Als er startete gab es den Fintech-Hype noch nicht, Henke sammelte daher fast eine halbe Million Euro per Crowdfunding und stellte dabei gleich zwei Mal einen Europarekord auf: für das schnellste und größte Crowdfunding. Als dann doch prominente Geldgeber wie Earlybird, 500 Startups, die Heilemann-Brüder und Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz einsteigen wollten, wurde das zum Problem und Cashboard kaufte die Crowdanleger wieder heraus.

Im Interview spricht er nun darüber, wie sich das Geschäft entwickelt und wie sich die Krise an den Finanzmärkten bei dem Fintech-Start-up bemerkbar macht.

WirtschaftsWoche-Gründer: An den Märkten herrscht derzeit extreme Unruhe. Wie macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Robert Henke: Wir können nicht klagen. Im Gegenteil, denn jetzt kommt unsere Besonderheit zum Tragen. Denn ein Teil steckt in Anlagen, die nicht mit der Entwicklung des DAX korrelieren, beispielsweise Immobilien über Crowdfunding oder Privatkrediten. Unsere Portfolios verlieren so deutlich weniger, als die Aktienmärkte.

Gibt es trotzdem weniger Neukunden oder profitieren Sie sogar?

Wir können derzeit keine Änderung feststellen und wachsen weiter sehr stark. Allerdings sind die Bestandskunden derzeit bei Aufstockungen vorsichtiger. Da müssen wir abwarten, wie sich das weiter entwickelt, denn wir leben ja davon, dass Kunden unser Angebot mit Kleinbeträgen ausprobieren und dann die Anlagesummen aufstocken. Bislang liegt die Quote bei 45 Prozent. Aber unsere Kunden ziehen ihr Geld nicht ab.

Und wird viel in den Portfolios umgeschichtet?

Der Algorithmus überwacht die Portfolios und wenn sich die Balance zwischen Anlageklassen verschiebt, bekommen die Kunden Vorschläge, wie sie ihre Investments anpassen können.

Hat das zugenommen?

Es ist generell nicht ratsam, hektisch und marktgetrieben zu agieren. Und die Mehrzahl unserer Kunden wollen auch nicht täglich traden. Bei der Art und Größe der Portfolios lohnt sich das auch nicht. Wenn der DAX zehn Prozent verliert, liegt das Minus bei unseren ausgewogenen Portfolios vielleicht bei Minus 1,5 Prozent.

Wie viele Kunden haben Sie jetzt?

Wir haben jetzt 10 000 Kunden und sind damit sehr zufrieden. Ende 2014 waren wir gerade über 1000 – das ist also eine Steigerung von fast 1000 Prozent. Im vierten Quartal sind wir jeden Monat um 30 Prozent gewachsen und haben die Kundenzahl verdoppelt. Das haben wir uns auch fürs erste Quartal vorgenommen.