Der ehemalige AWD-Chef und mutmaßliche Milliardär Carsten Maschmeyer investiert seit Kurzem in Startups; jetzt hat er sich an der Münchner Werbeplattform crossvertise beteiligt.
Im Gründerraum-Interview erklärt der umstrittene Unternehmer, wie er die Jungunternehmer coacht, warum er ihnen keine Kontakte zu Politikern vermittelt und weshalb er dank dem „Maschmeyer-Effekt“ bessere Konditionen aushandeln kann als andere Geldgeber.

Herr Maschmeyer, viele denken bei Ihnen erst mal an den AWD und negative Schlagzeilen über enttäuschte Anleger. Investieren Sie in junge Unternehmen, um sich ein neues Image zuzulegen?
Maschmeyer: Überhaupt nicht. Ich bin mit Haut und Haaren Unternehmer und Investor. Den AWD habe ich vor sechs Jahren verkauft, als er hervorragend dastand. Wenn ich gefragt werde, werde ich nicht müde zu erklären, was die Gründe für die heutigen negativen Schlagzeilen sind. Ansonsten schaue ich grundsätzlich nach vorn und konzentriere mich auf meine bestehenden Unternehmen und Beteiligungen.

Sie gelten seit dem Verkauf von AWD als Milliardär. Warum investieren Sie ihr Geld seit einiger Zeit in kleinen Dosen in Startup-Unternehmen?
Maschmeyer: Ich investiere lieber in eine Flotte mit Schnellbooten, als in einen Flugzeugträger. Außerdem macht es mir Spaß: Ich helfe den jungen Unternehmern nicht nur mit Wagniskapital beim Wachsen, sondern auch mit meinem Wissen und meiner unternehmerischen Erfahrung.

Müssen die Gründer nachts um zwei mit einem Anruf von Ihnen rechnen, wenn die Zahlen nicht stimmen?
Maschmeyer: Nein. Wir sind zwar immer für die Unternehmen da, kontrollieren sie aber nicht. Wir helfen, wenn die Unternehmer Bedarf anmelden. Und wir bieten ihnen Workshops mit Experten, die sich zum Beispiel mit E-Marketing oder Mitarbeiter-Beteiligungsmodellen auskennen.

Sie sind sowohl in der Wirtschaft, als auch der Politik bestens verdrahtet. Helfen Sie den Startups mit Ihren Kontakten?
Maschmeyer: Mit Kontakten zu Politikern kann ich nicht dienen, sie sind rein privat. Aber ich kenne viele Unternehmenschefs und spreche diese an, wenn es Kooperationsmöglichkeiten gibt – natürlich sage ich immer gleich offen dazu, dass ich investiert bin.

"Offensichtlich zieht mein gutes Händchen": Wenn Carsten Maschmeyer in Startups investiert, dann bekommt er nach eigenen Worten mehr Anteile für sein Geld als andere Investoren. Foto: Alfred Krauss für den High-Tech-Gründerfonds

“Offensichtlich zieht mein gutes Händchen”: Wenn Carsten Maschmeyer in Startups investiert, dann bekommt er nach eigenen Worten mehr Anteile für sein Geld als andere Investoren. Foto: Alfred Krauss für den High-Tech-Gründerfonds

Kürzlich haben Sie einen hohen siebenstelligen Betrag in das Berliner Startup Mobile Event Guide investiert, das Messeprospekte und Broschüren aufs Smartphone bringt. Was hat Sie überzeugt?
Maschmeyer: Ich fand Felix Swoboda, den Gründer des Unternehmens, von Anfang an sympathisch, weil er seine Idee begeisternd rüberbringen kann. Vorher habe ich mich aber erst mal überzeugt, dass die Messeveranstalter an dem Produkt wirklich interessiert sind und so eine junge “Boygroup” Kunden tatsächlich für sich gewinnen kann.

Wie helfen Sie einer solchen Boygroup dabei, die erfahrenen Chefs von Traditions-Unternehmen zu überzeugen?
Maschmeyer: Von Small-Talk oder platten Komplimenten rate ich ab. Und man darf nichts versprechen, was man nicht halten kann. Viel wichtiger ist es, die Entscheider neugierig zu machen, den Nutzen des Produkts zu erklären und dazu zu stehen, was man noch nicht kann.

Bereits zu AWD-Zeiten galten Sie als Verkaufsgenie, das seine Mitarbeiter mit packenden Vorträgen anstacheln konnte. Wie muss man es sich vorstellen, wenn Sie Gründer coachen?
Maschmeyer: Ich halte keinen Vortrag. Ich spiele Kunde und sage: Ruft mich an, besucht mich, verkauft mir euer Produkt. Währenddessen läuft eine Kamera mit. Hinterher schauen wir uns das Video an und diskutieren, wie es gelaufen ist. Ich setze meinen Spürsinn und meine Empathie ein, um Feedback zu geben, und sage den Unternehmern, wie sie besser auf Kundenbedürfnisse eingehen können, welchen Mehrwert sie ihnen bringen.

Mit wie viel Geld statten Sie die Startups normalerweise aus?
Maschmeyer: Bisher waren es immer mindestens siebenstellige Beträge. Wenn wir von einem Startup wirklich überzeugt sind, gehen wir jede Kapitalrunde mit und schlagen oft sogar einen expansiveren mit mehr Investitionen verbundenen offensiven Plan vor.

Außer in Mobile Event Guide haben Sie in den letzten Monaten in die Limousinenplattform Blacklane, die Biotech-Firma Biofrontera und die Sprachlernplattform Papagei.com investiert. Was verbindet diese verschiedenen Ideen?
Maschmeyer: Eine interessante Marktentwicklung. Wir sehen zum Beispiel einen wachsenden Markt für E-Learning, für Medizintechnik und eine ganze Reihe von Internet-Themen, die Branchen verändern können.

Wie viele Unternehmer klopfen bei Ihnen an?
Maschmeyer: Wir bekommen zurzeit rund 40 Business-Ideen im Monat, die besten zehn schaut sich unser erfahrenes Team an. Und wenn es richtig kribbelt, dann treffe ich mich mit den Gründern – einmal bei uns, einmal bei denen. So spüre ich, ob das Unternehmen richtig vibriert oder ob es dort sogar schon ersten Frust gibt.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie sich in den Gründern wieder erkennen, bevor Sie investieren?
Maschmeyer: Das ist nicht wichtig. Aber manchmal merke ich schon: So wie der habe ich früher auch gedacht. Oder auch: Mensch, der ist weiter als ich in dem Alter.

Wie viele Abfuhren haben Sie schon bekommen von Unternehmen, in die Sie sich verguckt haben?
Maschmeyer: Bisher keine. Wir bekommen sogar oft Discount, also mehr Anteile als andere Investoren, die das gleiche Geld bieten. Das liegt an dem mir nachgesagten Maschmeyer-Effekt.

Was meinen Sie denn damit?
Maschmeyer: Offensichtlich zieht mein gutes Händchen, das ich bei Investitionen in der Vergangenheit bewiesen habe, Nachahmer an. Wenn ich kaufe, steigen andere Investoren auch ein und der Kurs geht hoch. Den Gründern sage ich: Lieber ein Viertel von einem großen Kuchen als die Hälfte von einem kleinen Muffin. Wir bringen das Backpulver mit, damit der Kuchen richtig groß wird.

Heißt dass, dass die Gründer nach Ihrem Investment möglicherweise weniger als die Hälfte der Anteile haben?
Maschmeyer: Der Endeffekt wird jedenfalls sein, dass die Inhaber ungefähr zehnmal so reich sind wie vorher. Und wer unser Kapital nicht möchte, der muss es ja nicht nehmen. Aber er sollte sich klar darüber sein, dass sein Unternehmen ohne neue Kapitalzufuhr langsamer wächst. Und das ist im Internet ein Problem: Da muss man schnell sein. Sonst nimmt ein Unternehmen wie Google morgen ein paar Millionen in die Hand und macht es selbst.

Was machen Sie, wenn das einem Ihrer Startups passiert – schieben Sie 50 Millionen nach oder verkaufen Sie lieber gleich an Google?
Maschmeyer: Es gibt viele amerikanische Unternehmen, die in den USA stark sind, aber in Europa nicht vorwärts kommen – da kann es sinnvoll sein, zusammen zu arbeiten. Für manche unserer Portfolio-Unternehmen wird es eine Exit-Option sein, dass diese die Idee in den Schoß eines Weltmarktführers legen. Aber damit planen wir nicht. Wir investieren nur, wenn die Gründer auch langfristig hinter ihrem Geschäft stehen.

Könnten Sie sich vorstellen in ein junges Unternehmen aus dem Finanzbereich zu investieren?
Nein. Ich habe den AWD nicht verkauft, um dann in andere Finanzdienstleister zu investieren. Ich setze jetzt auf mein Gespür für neue Themen und Technologien.


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