Carspring expandiert, Eatfirst und Shopwings hingegen geben auf und die German Start-ups Group leidet unter mangelndem Interesse. Was in dieser Woche wichtig war.

Kritik ist nicht jedes Unternehmens Sache. Und bei der German Start-ups Group zeigte man sich vor dem eigentlich für Freitag angekündigten Börsengang in dieser Woche besonders dünnhäutig. Nachdem Jochen Krisch, Betreiber der Webseite Exciting Commerce, am Mittwoch einen kritischen Beitrag unter dem Titel „Der dreisteste Börsengang seit Rocket Internet“ veröffentlichte, wurden offenbar die Anwälte des Kapitalgebers aktiv. Der E-Commerce-Experte löschte den Text schließlich, nicht ohne süffisanten Kommentar. Krisch hatte die Beteiligungen des Kapitalgebers unter anderem als homöopathisch bezeichnet. Man mag von dem Artikel (und dem anschließenden Scharmützel) halten, was man will. Doch eins ist klar: Wenn sich die German Start-ups Group auf dem Börsenparkett behaupten will, wird sie sich an Kritik gewöhnen müssen.

Was die Gründer rund um Christoph Gerlinger trösten dürfte: Auch bei Konkurrent Rocket Internet lief es in dieser Woche nicht besonders rund. Der Start-up-Inkubator platzierte in dieser Woche eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 550 Millionen Euro. Mit dem neuen Geld wolle Rocket Internet die Beteiligungen an seinen vielversprechendsten Portfolio-Unternehmen erhöhen – am besten auf einen Mehrheitsanteil – oder aber neue Start-ups gründen und finanzieren. Die Anleger zeigten sich weniger begeistert von der Nachricht und trennten sich nach der Ankündigung in Scharen von den Papieren: Die Aktie stürzte erst einmal um 15 Prozent ab. Grund zur Freude bot diese Nachricht den Käufern der Wandelanleihe. Denn bei welchem Kurs der Tausch in Rocket-Aktien für sie lohnt, richtet sich nach dem Durchschnittskurs des Papiers am Mittwoch.

Ähnlich schlecht sah es für Rocket bei seinem derzeitigen Lieblingsinvestmentfeld, Onlinelebensmitteldiensten, aus. Nachdem das Einkaufs-Start-up Shopwings am Dienstag mehr oder weniger verschwurbelt den Rückzug aus Deutschland bestätigte, verkündete der ebenfalls von Rocket Internet unterstützte Lieferdienst Eatfirst am Donnerstag, dass er sein Geschäftsmodell überdenken wolle und dafür eine Pause in Deutschland einlegt. Das Modell mit „Essen auf Räder“ war im vergangenen Sommer zunächst in London gestartet, im September dann auch in Berlin. Das ist nun offenbar gescheitert. Nicht jeder Essenslieferdienst ist eben ein Lieferheld.

Frauenpower für die Start-up-Welt

Delivery Hero enttäuschte hingegen auch in dieser Woche nicht. Am Dienstag ließ das Vorzeige-Start-up verbreiten, ab Ende Juli einen Service für exquisite Küche anzubieten. Unter dem Namen Urban Taste sollen in sieben großen Städten auch Feinkostgerichte in Warmhalteboxen durch die Gegen gefahren werden. Und dass der Boom mit Lieferdiensten noch nicht vorbei ist, bewies auch die Series-A-Finanzierungsrunde von Liefery.

Seine Expansionsstrategie verfolgte Rocket Internet trotz der Rückschläge im Lebensmittelbereich auch diese Woche weiter. Das Start-up Carspring kündigte in dieser Woche – exklusiv auf WirtschaftsWoche Gründer – an, dass es nach Deutschland expandieren will. Das Onlineportal für Gebrauchtfahrzeuge und will Käufer und Verkäufer zusammenbringen und war erst im Mai in Großbritannien gegründet wurden. Die schnelle Expansion passt zur aggressiven Strategie von Rocket Internet möglichst schnell möglichst viele Märkte und Städte zu erobern. Auch, wenn das, wie oben beschrieben, eben nicht immer klappt.

Zum Schluss ein weibliche Note: Mit „Women in E-Commerce“ ist in dieser Woche ein Netzwerk für Frauen gestartet, das die Männerdominanz in der Start-up-Szene angreifen will. Mit dabei sind unter anderem Lea Lange von Juniqe, die TV-Moderatorin Annett Möller und Spottster-Gründerin Freya Oehle. Frauenpower in der Start-up-Szene – das war längst überfällig.