Das niederländische Start-up hat Tamyca übernommen – und will Branchengrößen die Stirn bieten. Der Markt für privates Carsharing ist stark in Bewegung.

Nur eine Stunde am Tag werden private Autos im Schnitt genutzt – die restliche Zeit stehen sie einfach herum. Daran etwas ändern wollen eine ganze Reihe von Start-ups mit Carsharing-Plattformen für private Autobesitzer. Dort können diese ihr Fahrzeug zur Kurzzeitvermietung einstellen und sich so etwas hinzuverdienen. Einer der führenden Anbieter in Europa ist Snappcar. Das niederländische Start-up will nun in Deutschland wachsen – und hat dazu den hiesigen Anbieter Tamyca übernommen.

Wie Snappcar nun mitteilte, wurde die Übernahme bereits Mitte August vollständig abgeschlossen. Zum Auftakt der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die sich neuen Mobilitätskonzepten verschrieben hat, lohnt sich aber ein Blick auf das ambitionierte Start-up und seine Wettbwerber.

Gegründet wurde das Unternehmen mit Sitz in Utrecht 2011. Die Vision von CEO Victor van Tol ist es, ein „Airbnb für Autos“ zu schaffen. Wie nun in Deutschland hat Snappcar zuvor auch in Dänemark und Schweden Konkurrenten übernommen. Zusammen mit den rund 200.000 Nutzern des 2010 von Studenten der RWTH Aachen gegründeten Anbieters Tamyca kommt Snappcar nun in Europa auf fast 400.000 Mitglieder. Etwa 45.000 Autos werden über die Plattform zur Vermietung angeboten.

Europcar hält 20 Prozent der Firmenanteile

Das starke Wachstum möglich machen finanzstarke Investoren. Zu den Geldgebern gehört etwa die Autobinck-Gruppe, unter deren Dach verschiedene Autohäuser und Leasingunternehmen vereint sind. 20 Prozent der Firmenanteile hält seit Juni zudem Europcar. Die Autovermietung beweist damit erneut, dass sie sich neuen Geschäftsmodellen nicht verschließt – Europcar ist auch Miteigentümer des Carsharing-Anbieters Car2go und baut mit seinem Tochterunternehmen Ubeequo eigene Lösungen auf.

Versicherungspartner von Snappcar ist die Allianz. Die Vollkaskoversicherung deckt Schäden und Unfälle an den Privatautos ab. Das Start-up verspricht, dass durch die Kooperation sich die Versicherungsoptionen und –konditionen für die bisherigen Tamyca-Nutzer deutlich verbessern.

Daimler macht Druck

Zu den stärksten Wettbewerbern in Europa gehört Drivy – gegründet Ende 2010 in Paris. Das Unternehmen ist in Frankreich, Deutschland, Österreich, Spanien und Belgien aktiv. Nach eigenen Angaben sind 1,5 Millionen Nutzer registriert, 45.000 Autobesitzer bieten ihre Wagen zur Vermietung an. Mit seiner jüngsten Finanzierungsrunde im April 2016 hatte das Start-up über 31 Millionen Euro eingesammelt.

Neue Konkurrenz kommt von Daimler. Der Autobauer hat sich kürzlich an Turo beteiligt. Der US-amerikanischen Carsharing-Anbieter gibt an, mehr als vier Millionen Kunden mit mehr als 170.000 Fahrzeugen zu haben. Turo ist außer in den USA auch in Großbritannien verfügbar – und soll 2018 auch in Deutschland starten. Die Daimler-Plattform Croove soll darin aufgehen.