Das Werkstatt-Portal erhält 17 Millionen Euro. Teile des Geldes stammen aus einem neuen Fonds des Berliner Risikokapitalgebers, der gezielter in Mobilität investieren will.

Ferndiagnose und Festpreise: Mit diesen Werbeversprechen will Caroobi Autobesitzern den Werkstattbesuch ihrer Fahrzeuge vereinfachen. Das Portal schlägt nach einer Digital-Anamnese Paketpreise für die Reparatur vor, die dann in Vertragswerkstätten durchgeführt wird. Auf der Händlerseite versucht das im Oktober 2015 gegründete Start-up zudem, über den Ersatzteilvertrieb weitere Umsätze zu generieren.

Jetzt ermöglichen bestehende und neue Investoren dem Start-up, in einen höheren Gang zu schalten: In einer Wachstumsfinanzierung erhält Caroobi umgerechnet 17 Millionen Euro. Damit soll nicht nur der Ersatzteil-Marktplatz vergrößert werden: „Mit dem Investment haben wir ausreichend Kapital, um unsere europäische Expansion anzugehen und die dominante Marke im Automotive-Aftersales zu etablieren“, sagt Caroobi-Mitgründer Nico Weiler. Neben Deutschland stehen auch Großbritannien und Frankreich auf dem Routenplan.

Mit der Investition erreicht das junge Unternehmen nach eigenen Angaben eine Bewertung von 100 Millionen Dollar. Geld stammt in dieser Runde von den Neugesellschaftern Nokia Growth Partners und Target Global sowie den bestehenden Investoren: Dazu gehört etwa die Beteiligungsgesellschaft von BMW sowie die Risikokapitalgeber DN Capital und Cherry Ventures.

Fonds für Mobilitäts-Start-ups

In einem besonderen Licht steht dabei das Investment des in Berlin ansässigen Investors Target Global: Die Beteiligung ist die erste aus einem frisch aufgelegten Fonds, der sich ausschließlich auf Mobilitätsthemen fokussieren soll. 100 Millionen Dollar stehen für das erste Jahr parat, in den nächsten drei Jahren sollen weitere 500 Millionen Dollar dazu kommen. Das erste Geld stammt laut Target Global von Vermögensverwaltungen, Privatinvestoren und Unternehmen.

Zwar fokussieren sich viele Risikokapitalgeber auf einige Branchen und Regionen, ein so spezialisierter Fonds in dieser Größenordnung ist dennoch eher ungewöhnlich. „Wir sehen starke transformative Veränderungen in der Mobilitätsbranche passieren und sind überzeugt, dass sie eine besondere Aufmerksamkeit verdienen“, sagt Target-Global-General-Partner Alex Frolov gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Der Investor ist bereits an den schnell wachsenden Mobilitäts-Unternehmen Go Euro und Auto1 beteiligt.

Das Investment in den Feldern Transport, Logistik und Mobilitätsdienstleistungen sei zudem komplexer als manch‘ andere Branche, sagt Frolov: „Ein dedizierter Fonds mit einem Experten-Team wird daher in unseren Augen den Bedürfnissen der Startups in diesem Bereich besser gerecht.“ Der regionale Fokus des neuen Fonds wird bei Target Global erneut auf Europa plus Israel liegen. Der deutsche Markt dürfte dabei immer wieder in den Blick geraten, wie schon das Premiereninvestment in Caroobi andeutet: „Wir glauben, dass es viele interessante Mobility-Startups in Deutschland gibt“, so Frolov.