Je extrovertierter ein privater Geldgeber, desto eher schließt er sich mit anderen Investoren zusammen. Darauf früh zu achten, kann sich für Start-ups auszahlen, sagen Forscher.

Die persönliche Bekanntschaft, die passenden Kontakte: Gerade in den frühen Finanzierungsrunden finden Start-ups oft private Geldgeber, sogenannte Business Angels, die das erste Risikokapital in eine Firma einbringen. In dem frühen Entwicklungsstadium der Firma können die Berater mit gut gefülltem Konto oft mit wichtigen Ratschlägen aushelfen.

Doch schon hier kann sich eine strategische Suche nach passenden Kontakten für die Start-ups auszahlen – und dabei geht es nicht nur um ein dickes Adressbuch des gewünschten Business Angels. Je extrovertierter sich ein privater Geldgeber präsentiert, desto eher neigt er dazu, sich mit anderen Investoren zusammenzutun. Das sorgt dafür, dass schon in einer frühen Runde deutlich höhere Beträge eingeworben werden können.

Für dieses Verhalten wollen zumindest Forscher der Universität Trier, der Erasmus-Universität Rotterdam, der australischen Queensland-Universität und der Frankfurt School of Finance Belege entdeckt haben. Die präsentieren sie aktuell in aktuell veröfftenlichten empirischen Studie unter dem Titel „A personality perspective on business angel syndication“ (hier geht es zu einem kostenpflichtigen Abruf der Studie).

Keine Aussage über den Erfolg des Investments

Um ein Gefühl für die Persönlichkeit von mehr als 1300 Business Angels zu kriegen, werteten die Wissenschaftler deren „digitale Fußstapfen“ in Twitter-Nachrichten aus. Die meisten beobachteten Geldgeber stammten dabei aus den USA, hatten durchschnittlich vier Investments getroffen – und waren zu 95 Prozent männlich. Zu mehr als 3200 Investitionen konnten die Wissenschaftler Aussagen treffen – im Schnitt warben die beobachteten Start-ups dabei 1,3 Millionen Dollar ein.

Ein statistischer Zusammenhang ergab sich dabei laut der Studie: Business Angels, die sich extrovertiert auf Twitter präsentierten, suchten eher den Schulterschluss mit weiteren privaten Geldgebern. Gaben sich die Investoren auf Twitter eher zurückhaltend und pflichtbewusst, tendierten sie zu eigenständigen Investments ohne Partner. „Die digitalen Fußstapfen verraten Muster im Investmentverhalten“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

Den Wissenschaftlern ist dabei bewusst, dass die Ergebnisse nur ein Fingerzeig sind. Mit einem Twitter-Profil ist zumindest im deutschsprachigen Raum schon ein gewisses Maß an Geltungsbewusstsein verknüpft, auf das manche verschwiegene Investoren hierzulande verzichten. Und eine entscheidende Frage empfiehlt die Studie nachfolgenden Forschern als Aufgabe: Wie eng ist die Persönlichkeit eines Investors mit dem Erfolg eines Start-ups verknüpft, bei dem er sich beteiligt?