Ein ADAC-internes Start-up bastelt an einer digitalen Buchungsplattform für Campingurlauber – und greift damit Digitalunternehmen an.

Das Camping-Wetter in Deutschland ist erst seit einigen Wochen verschwunden, doch die Vorbereitungen für das kommende Jahr laufen schon auf Hochtouren: Heute und morgen trifft sich die Branche beim Campingtag Süd, Mitte des Monats findet in Leipzig die Messe Touristik & Caravaning statt. Passend dazu hat der ADAC heute den offiziellen Start seines neues Camping-Portals angekündigt: Auf Pincamp können sich Urlauber über Plätze in ganz Europa informieren – und sollen diese ab 2019 auch online buchen können.

Das Portal ist für die Dachgesellschaft des Automobilclubs auch organisatorisch ist ein Novum. Denn für die Entwicklung hat der ADAC Anfang des Jahres ein internes Start-up in Berlin gegründet – die ADAC Camping GmbH. Laut Geschäftsführer Uwe Frers wurden dafür 25 Onlineprofis angeheuert. Inhalte steuern 14 Mitarbeiter aus München hinzu, wo der gedruckte ADAC Campingführer entsteht. Die digitale Version der bisherigen „ADAC Camping Welt“ leitet nun zu Pincamp um.

Die Pläne sind ambitioniert: 20.000 der 28.000 Campingplätze in Europa will Frers in dem Portal abbilden, sagte er in einem Interview mit WirtschaftsWoche Online. Bislang seien es 8.000. Zudem will der die Betreiber überzeugen, sich für Onlinebuchungen zu öffnen. Bisher seien europaweit 85 Prozent der Campingplätze noch nicht digital buchbar.

Neue Konkurrenz für Camping.info

Mit dem neuen Portal greift der ADAC bestehende Portale an. Zu den führenden Anbietern in Deutschland gehört Camping.info, das im Januar der Start-up-Unternehmer Maximilian Möhrle übernommen hat. Seither hat er das in Jahre gekommene Portal optisch modernisiert und bereits ein Onlinebuchungssystem integriert. Nach Angaben des in Berlin ansässigen Start-ups sind aktuell über 150 Campingplätze in Deutschland direkt über Camping.info buchbar – rund 40.000 Übernachtungen seien so bereits abgewickelt worden.

Für das kommende Jahr hat das Start-up angekündigt, Plätze in anderen Ländern an das Buchungssystem anzuschließen. „Wir starten mit einem eigenen Vertrieb in Österreich und der Schweiz“, sagte Möhrle auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. „In anderen Ländern wie Kroatien und Frankreich arbeiten wir mit Partnern zusammen.“ Dabei handele es sich um sogenannte Chanel Manager, die auf die Anbindung der Campingplätze an verschiedene Portale spezialisiert sind.

Obgleich Camping.info mit bisher zwölf Mitarbeitern deutlich kleiner ist als das Pincamp-Team, sieht Möhrle die neue Konkurrenz durch den ADAC gelassen. Während dieser stark von der umfassenden Datenbasis seiner Campingführer profitiert, sieht Camping.info sich in Sachen Online-Community im Vorteil. „Bei uns bekommen die Nutzer authentische Bewertungen von anderen Urlaubern“, sagt Möhrle. Rund 14 Millionen Visits verzeichne die Seite jährlich – und kann über 145.000 Gästebewertungen vorweisen. Verzeichnet sind knapp 23.000 Plätze in 44 Ländern.

Großes Marktpotenzial

Weitere Wettbewerber sind neben anderen das Portal Campingandco, das zur französischen Firma SAS Holidays&Co gehört, und Eurocampings – ein Ableger des niederländischen Verlags ASCI, der Campingführer herausbringt. Nach Einschätzung Möhrles verbindet alle Anbieter derzeit noch ein gemeinsames Interesse: „Wir müssen bei den Campingplatz-Betreibern erst einmal Überzeugungsarbeit leisten, sich überhaupt für Onlinebuchungen zu öffnen.“

Das Marktpotenzial ist groß. Laut Frers hat die Branche im vergangenen Jahre 367 Millionen Übernachtungen gezählt. Auch der Bestand an Wohnmobilen wächst – alleine in Deutschland sind nach Angaben von Camping.info rund 450.000 zugelassen.