Der deutsche Buchmarkt schrumpft, trotzdem trauen sich neue Start-ups auf den Markt. Leser können davon profitieren.

Von Katja Scherer

Normalerweise flößen die Geschichten von Stephen King vor allem Furcht ein. Für Karl-Ludwig von Wendt aber waren sie so inspirierend, dass daraus direkt eine Geschäftsidee wurde.

Es geschah in Bielefeld an einem ganz normalen Morgen vor rund zwei Jahren: Von Wendt war in einen King-Thriller vertieft, als er zur U-Bahn musste. Um das Buch in seine Aktentasche zu packen, war es ihm zu schwer und zu sperrig. „Ich musste mir also etwas einfallen lassen“, sagt von Wendt. Vor ein paar Jahren wäre sein Problem noch unlösbar gewesen. Und das ist auch einer der Gründe, warum die Buchbranche zuletzt eher durch schwache Zahlen auf sich aufmerksam gemacht hat.

Im vergangenen Jahr sanken die Umsätze um 1,4 Prozent, genauso wie im Jahr davor. Zwar lesen laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest noch fast die Hälfte aller Jugendlichen regelmäßig gedruckte Bücher, aber die Konkurrenz wächst. Snapchat, Youtube und Netflix können ziemliche Zeitfresser sein.

Nun aber hat die Branche einen neuen Verbündeten entdeckt: Gründer, die mit digitalen Erweiterungen das Leseerlebnis ins 21. Jahrhundert holen wollen. So wie von Wendt. Der gelernte Betriebswirt und Autor beschloss nämlich, sein Problem auf eine neue Weise zu lösen. Er entwickelte die App Papego, mit der Leser gedruckte Bücher bei Bedarf digital weiterlesen können. Dazu müssen sie nur die zuletzt gelesene Seite scannen, dann haben sie  automatisch auf 25 Prozent des Buches als E-Book Zugriff – ohne Zusatzkosten. „Wenn man es schafft, Geschichten mithilfe von digitalen Elementen neu zu erzählen und leichter zugänglich zu machen, dann eröffnet das ein enormes Potenzial“, sagt der Gründer.

Er ist nicht der einzige, der das glaubt. Eine ganze Reihe weiterer junger Unternehmen versucht derzeit mit unterschiedlichen Ansätzen, eine Nische zu finden. Das Unternehmen Booktype etwa hat eine Plattform entwickelt, auf der Kreative gemeinsam Bücher schreiben können. Die Plattform Paperhive bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, Forschungsaufsätze gemeinsam zu lesen und zu kommentieren. Und das Start-up Lchoice bietet eine App an, mit der man mit dem gleichen Zahlungssystem bei verschiedenen Händlern einkaufen kann – ohne jedes Mal seine Daten neu eingeben zu müssen.

In der Branche freut man sich über die Neuzuwächse. „Die Digitalisierung ist ein sehr komplexer Prozess“, sagt Dorothee Werner vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Dafür ist Wissen aus so vielen unterschiedlichen Bereichen nötig, dass man das am besten gemeinsam mit Partnern aus anderen Branchen stemmt.“

Die Branche träumt von Virtual-Reality-Brillen, die den Leser in seine eigene Fantasiewelt eintauchen lassen, und Big-Data-Lösungen, mit deren Hilfe sich genau analysieren lässt, welche Stellen Kunden bei E-Books überblättern. Noch ist das Zukunftsmusik, aber es kann eine Chance sein.