Der britische EU-Austritt hat auch für Start-ups Folgen, Londoner Fintechs wollen ihren Sitz verlegen. Doch wie sehr Berlin davon profitiert ist fraglich, denn die negativen Aspekte wiegen schwer.  

“Die deutsche Start-up-Hauptstadt Berlin ist der Gewinner des Brexit“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Start-ups. Die deutschen Start-ups würden den erschwerten Zugang zu 64 Millionen Konsumenten im Vereinigten Königreich verkraften und an anderen Stellen deutlich profitieren. „Die eigentliche Rechnung zahlen ab heute die britischen Startu-ps“, sagt Nöll, schränkt jedoch gleich ein: „Es ist ein Sieg, den wir nicht wollen und nicht feiern werden“.

London werde als Start-up-Standort unter der Entscheidung leiden glauben viele Gründer. Vor allem die Fintech-Szene könnte es treffen und der frühere Bürgermeister und prominente Kämpfer für den Brexit, Boris Johnson, so ein Eigentor geschossen haben. „London als Europas führender Fintech-Standort hat gerade Selbstmord begangen“, sagt Traxpay-COO Jochen Siegert.

Acht Londoner Fintechs prüfen Verlegung des Firmensitzes

Tatsächlich haben acht Londoner Finamz-Start-ups der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, sie würden die Verlegung ihres Hauptsitzes erwägen. “Andere Städte wie Berlin oder Paris würden als europäisches Drehkreuz dann attraktiver erscheinen als London”, sagte Taavet Hinrikus, Chef der Firma TransferWise vor der Entscheidung.  “Wir prüfen derzeit unsere Optionen.”

Doch wird nun Berlin wirklich zum großen Brexit-Profiteur? Das ist absolut nicht klar. Denn für abwanderungswillige Fintechs kommen beispielsweise Luxemburg, Frankfurt oder eben Paris genauso in Frage. Vor allem aber bringt der Brexit auch für viele Start-ups hierzulande erst einmal Probleme und Unsicherheiten mit sich. Das gilt vor allem für Unternehmen, die als britische Limited registriert sind, wie beispielsweise Soundcloud, das sein Hauptquartier in Berlin hat jedoch rechtlich ein britisches Unternehmen. Zu den möglichen Folgen wollte sich das Unternehmen auf Anfrage nicht äußern.