Herr Brandenburg, vor einem Jahr haben Sie zusammen mit Thomas Gottfried und Veit Spiegelberg StepMap gelauncht. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen?
Brandenburg: Mein Mitgründer Veit kam auf die Idee, als er im Oktober 2007 nach Thailand flog. Damals wie heute gab es keinen Internet-Service, der als zentrales Medium eine Karte einsetzt. Dabei ist gerade in den Bereichen Nachrichten, Reisen und Bildung die Karte ein ideales Kommunikationsmittel. Seitdem haben sich unser Modell und unsere Ausrichtung natürlich verändert, aber unser zentrales Produkt ist die Landkarte geblieben.

Als Sie gegründet haben, konnte man schon mit Diensten wie “Google Maps” individuelle Karten erstellen. Warum hat der große Rivale Sie nicht abgeschreckt?
Google Maps ist ein tolles Tool – allerdings erlaubt es nicht den Grad der Personalisierung, den StepMap bietet. Zudem legen wir den Fokus auf einfache Bedienung – die Google Maps API kann sicherlich nicht jeder verstehen und bedienen. Wir haben eine klare rechtliche Basis und wir bieten Interaktivität, also die Möglichkeit, Videos, Bilder und PDFs direkt zu verlinken. Wir sehen eine Karte eben als Ausgangspunkt und nicht als Beiwerk.

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StepMap-Mitgründer Ole Brandenburg

Ole Brandenburg, 34, hat im Jahr 2009 zusammen mit Veit Spiegelberg und Thomas Gottfried die Berliner StepMap GmbH gegründet. Auf der Seite des Internet-Startups lassen sich personalisierte Landkarten erstellen. Viele Medien nutzen den Dienst bereits, einige zahlen dafür. Vor der Gründung hat Brandenburg für Internet-Unternehmen wie Alando, Dooyoo, Jamba und MyBet gearbeitet.

Sie haben mitten in der Wirtschaftskrise gegründet. Haben Sie die Krise gespürt – zum Beispiel bei der Suche nach Investoren?
Die Antwort darauf ist ein eindeutiges „Ja“. Wir waren aber darauf vorbereitet und haben StepMap von Beginn an aus eigener Tasche finanziert. Wenn man Risikokapitalgeber sucht, stellt man zurzeit zwei Dinge fest: Erstens ist die Bereitschaft zu investieren geringer und zweitens sind die Bewertungen im Keller.

Das heißt?
Selbst wenn man einen Risikokapitalgeber überzeugen kann, fragt man sich, ob es wirklich sinnvoll ist, viele Anteile für relativ wenig Geld abzugeben. Wir haben das bisher verneint und sind weiter privat finanziert.

Was war die größte Hürde, die Sie in den vergangenen zwölf Monaten nehmen mussten?
In der Lage zu sein, das alte Konzept der Zeit anzupassen. Wir wollten anfangs vor allem die Endverbraucher ansprechen, fokussieren uns nun aber mehr auf Business-Kunden. Das zeigt, dass man immer flexibel auf den Markt reagieren muss – auch dann, wenn man sich eingestehen muss, dass man zu Beginn eventuell nicht ganz richtig lag.

Immer wieder heißt es, dass Gründer sich auch Fehler leisten dürfen. Welchen haben Sie gemacht und was haben Sie daraus gelernt?
Ganz einfach: Alles steht und fällt mit dem Team. Das klingt zwar platt und abgedroschen, aber es ist nun mal auch wahr. Wir haben 2008 ein erstes Team zusammengestellt, welches nicht gut war. Unser jetziges Team ist ideal, weil wir uns ergänzen und trotzdem die gleichen Ziele verfolgen und dieselben Prioritäten setzen. Letztlich ist das auch das erste, worauf jeder Kapitalgeber achtet. Und das zurecht.

Seit einigen Monaten bieten Sie Premium-Zugänge an und sind dabei, StepMap zu monetarisieren. Wie weit ist es noch bis zum Break-Even?
Wir haben den Break Even vor einigen Wochen erreicht. Allerdings muss man beachten, dass man mit dem Erreichen des Break Even nicht über den Berg ist. Wenn ich heute profitabel bin, kann ich trotzdem in zwei Monaten schon wieder im Minus stehen. Das habe ich schon ein paar mal in anderen Unternehmen erlebt. Deshalb darf man sich von der Momentaufnahme nicht blenden lassen.

Wie viele Karten wurden bisher auf StepMap erstellt und wie viele kommen jeden Monat dazu?
Seit dem Launch vor knapp einem Jahr sind über 100.000 Karten erstellt worden. Die Wachstumsrate liegt bei etwa zehn Prozent pro Monat.

Welche ist Ihr Favorit?
Ohje… da gibt es so viele. Kommt eben drauf an, wie ich gerade drauf bin. Diese hier finde ich ganz lustig, diese hier erinnert mich an meine Zeit in Australien und diese hier an meine Tour durch Schweden – aber zur Zeit, aus aktuellem Anlass, finde ich diese hier am besten.

Im März nannte das Gründerportal “deutsche-startups.de” Ihr Startup ein “Aushängeschild der deutschen Gründerszene”. Wie erklären Sie sich das?

Austragungsorte der Fußball WM 2010 in Südafrika

StepMap-Karte zur Fußball-WM

 

Eine von mehr als 100.000 Karten, die mit StepMap erstellt wurden, und zurzeit Ole Brandenburgs Favorit.

Klingt jetzt blöd, aber das wusste ich gar nicht. Natürlich fühlt es sich sehr gut an. Vielleicht liegt es daran, dass wir ein eher solides Modell verfolgen – wenig Hype, einfach nur Business – und keine Millionäre sind, die mal eben ein bisschen Spielgeld in die Hand nehmen und „gründen“…

Moment, ist das denn heute so? Die Dot-Com-Blase ist doch längst geplatzt, Geld ist knapp...
Ich sage es an dieser Stelle mal ganz deutlich, auch wenn ich mir damit sicherlich den ein oder anderen Feind mache: Vor zehn Jahren war die Internetbranche wirklich anders. Da ging es um Werte wie Aufbruch, Kreativität, teilweise schon Wahnsinn – es war einfach viel möglich. Ich sage immer, dass man damals „einfach mal gemacht hat“. Mit Betonung auch „gemacht“.

Und heute?
Mein Eindruck ist, dass es heute eher um Dinge geht wie Titel, Hype, Visitenkarten, viel Gelaber und relativ wenig Inhalt. Wenn damals „gemacht“ wurde, wird heute eben „geredet“. Klingt jetzt fast zynisch und altmodisch, aber so sehe ich das.

Sind Sie in diesem Sinne altmodisch?
Wir versuchen jedenfalls, noch ein paar der alten Werte hoch zuhalten. Ob das erfolgreich sein wird, zeigt die Zukunft. Es kommt eben auch darauf an, was man anstrebt, wenn man gründet. Aber das führt jetzt zu weit.

Welche Tipps würden Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?
Drei einfache Dinge: Immer auf das Bauchgefühl hören. Customer Service ist Chefsache. Nicht reden, sondern machen.