Die Börse ruft den Neuen Markt 0.5 aus, Windeln.de kann nicht schnell genug Aktien ausgeben und Shopwings löst Zweifel aus: Was in dieser Woche wichtig war.

Die Deutsche Börse traut Start-ups noch nicht wieder. Da nützen auch die Forderungen von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach einem „Neuen Markt 2.0“ nichts. Seit dem Platzen der Internetblase Anfang der 2000er Jahre ist die Skepsis gegenüber Start-ups bei Anbietern und Anlegern groß. Immerhin geht die Börse nun einen Schritt auf junge Gründer zu: Ab Juni soll es eine Online-Plattform für Wachstumsunternehmen und Investoren geben. Zu dem ersten Dutzend Start-ups zählen unter anderem Auctionata, Home24 und Kreditech. Sie versprechen sich vor allem „erhöhte Visibilität“ und „Kontakte zu Investoren“. Trotz der ersten Annäherungsversuche wirkt das „Deutsche Börse Venture Network“ eher wie ein „Neuer Markt 0.5“ denn wie ein echter Fortschritt.

Das Start-up Windeln.de kann hingegen nicht schnell genug Aktien ausgeben. Anders als ursprünglich geplant will die Onlineplattform nun schon am 05. Mai den Angebotszeitraum für die ersten Aktien beenden, wie das Unternehmen am Donnerstag bekanntgab. Ursprünglich sollte das erst einen Tag später geschehen. Der Grund für die vorgezogene Frist: die hohe Nachfrage. Das sollte der Deutschen Börse vielleicht zu Denken geben.

Während Windeln.de sein Wachstum über den Börsengang finanzieren will, haben sich die Karriereplattform Jobspotting und das Modeportal Styla ganz klassischer Investoren für ihre Finanzierungsrunden bedient. Jobspotting konnte dabei gleich mit einem großen Namen auftrumpfen: Das Berliner Portal überzeugte für seine Seedfinanzierung den reichsten Mann Asiens Sir Li Ka Shing. Nachdem schon US-Investor Peter Thiel neulich in zwei deutsche Start-ups investierte, lässt sich sagen, dass sich Deutschland offenbar zu einem interessanten Markt für ausländische Investoren entwickelt. Auch, wenn Jobspotting über die genaue Summe schweigt.

Rocket investiert jetzt auch in Wellness

Das Rocket-Internet-Start-up Shopwings hingegen verschweigt offenbar ein Detail seiner Geschäftsstrategie: Die Plattform, die Einkäufe nach Hause liefert, soll deutlich mehr für Produkte der Supermarktkette Lidl verlangen, als Kunden im Laden bezahlen würden. Das zeigt zumindest ein Test des Onlineportals Toptestsieger, das nach einem eigenen Versuch auf ein Preisplus von 37 Prozent kommt. Ein happiger Umsatzgewinn für Shopwings. Rocket-Investment Lieferando versucht hingegen gerade, Verluste zurückzuberkommen: Dort soll eine Buchhalterin mehr als 665.000 Euro entwendet haben – sie galt als vetrauenswürdig. Nun wurde sie zu vier Jahren Haft verurteilt.

Rocket Internet investiert aber längst nicht nur in Lebensmittel. Viel erhofft sich der Investor auch von dem Wellness-Start-up Somuchmore. Am Montag gab der Start-up-Inkubator bekannt, dass er das junge Unternehmen übernehmen will. Bleibt für die Samwer-Schmiede zu hoffen, dass wenigstens das Start-up das Vertrauen rechtfertigen wird.

Am Beispiel von Tollabox zeigt sich gerade, was passiert, wenn das Vertrauen enttäuscht wird. Fast 600 Aneger müssen nach der Insolvenz des Start-ups ihr Geld abschreiben. Am Ende ist ein Start-up eben immer auch ein Risiko.