Die Münchener arbeiten an preisgünstigen Lidar-Systemen. Damit wollen sie nicht nur dem autonomen Fahren zum Durchbruch verhelfen.

Sie gelten als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren: Mit sogenannten Lidars können Roboterautos Objekte per Laser abtasten – der Computer errechnet aus den gemessenen Entfernungen ein dreidimensionales Bild der Umgebung. In Testfahrzeugen erkennt man die Sensoren an den großen Aufbauten auf dem Dach. Technisch funktionieren sie gut, doch mit einem Preis von mehreren tausend Euro sind Lidar-Systeme derzeit noch extrem teuer.

Deutlich günstigere, aber dennoch präzise Lasersensoren verspricht Blickfeld. Das 2016 in München gegründete Start-up hat die Scanneinheit von Lidars neu entwickelt. In bisherigen Systemen werden die Laserstrahlen von Spiegeln abgelenkt, die über Lager und Motoren hin und her bewegt werden. Blickfeld nutzt dagegen siliziumbasierte Scanner mit sogenannten MEMS-Spiegeln. Der Vorteil: Sie sind deutlich kompakter und können massenweise auf Wafern produziert werden.

Im Oktober vergangenen Jahres hat das Start-up 3,6 Millionen Euro eingesammelt. Nun haben die Investoren Osram, Tengelmann, Unternehmertum Venture Capital Partner und High-Tech Gründerfonds noch einmal Geld nachgeschossen: Das Gesamtvolumen der Seed-Finanzierungsrunde liegt damit nun bei knapp 8,6 Millionen Euro.

Serienproduktion startet 2019

„Damit können wir unsere Produktionsziele schneller erreichen“, sagte Florian Petit im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Der Robotikspezialist hatte das Unternehmen zusammen mit dem Informatiker Rolf Wojtech und dem Optik-Experten Mathias Müller gegründet. Nach diversen Prototypen werde das Start-up im kommenden Jahr ein erstes Produkt in Serie fertigen. Genutzt würden dafür Kapazitäten bei Auftragsfertigern.

Erklärtes Ziel von Blickfeld ist es, möglichst schnell in eine Massenproduktion einzusteigen. Der Preis von Lidar-Systemen für die Automobilbranche könnte dann auf mehrere hundert Euro sinken. Auf dem Weg dahin will das 35 Mitarbeiter große Start-up nun personell aufstocken. „Bisher haben wir den Fokus auf die technologische Entwicklung gelegt“, sagt Petit. „Jetzt wollen wir neben weiteren Ingenieuren und Informatiker auch Bereiche wie den Vertrieb und das Business Development stark ausbauen.“

Potenzial in vielen Branchen

Das Start-up zielt mit seiner Technologie in erster Linie auf Automobilzulieferer, die Blickfeld-Lidars in eigenen Zubehörteilen verbauen. Großes Potenzial bergen aber auch andere Branchen, sagt Petit: „Wir haben mehr als 30 verschiedene Märkte identifiziert.“ Ein Beispiel sind Smart-City-Vorhaben. Angebracht an Straßenlaternen könnten die Lidar Parkplätze überwachen – und böten eine Alternative zu Sensoren wie sie beispielsweise Cleverciti entwickelt.

Blickfeld hat sich seine Technologie mit 25 Patenten schützen lassen. Konkurrenzlos sind die Münchener indes nicht. Wie eine aktuelle Marktübersicht der Investmentgesellschaft Woodside Capital Partners zeigt, arbeiten derzeit zahlreiche Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Technologien an günstigeren Systemen. Lidars weitgehend überflüssig machen, will dagegen Artisense. Das in Kalifornien, München und Tokio ansässige Start-up Artisense behauptet, ähnlich gute Ergebnisse mit einfachen Kameras zu erreichen.