Der Branchenverband Bitkom befragte Gründer zu ihren Erfahrungen: Vor allem das Thema Finanzierung bereitet den jungen Unternehmen Kopfweh.


Start-ups in Deutschland brauchen in den kommenden zwei Jahren im Durchschnitt 2,4 Millionen Euro frisches Kapital. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 143 Gründern von IT- und Internet-Start-ups.

Offenbar gilt: Je größer das Start-up, desto schneller wächst der Finanzierungsbedarf. Während bei Start-ups mit nur ein bis drei Mitarbeitern der Bedarf bei rund 640.000 Euro liegt, sind es bei solchen mit vier bis neun Mitarbeitern bereits 1,7 Millionen Euro, bei 10 bis 19 Mitarbeitern 3,1 Millionen Euro und bei Start-ups ab 20 Mitarbeitern steigt dienotwendige Geldmenge sogar auf 4,7 Millionen Euro.

Finanzierungsrunden dauern oft Monate

Gleichzeitig gab jeder zweite Gründer im Rahmen der Befragung an, dass die schwierige Finanzierung das größte Hemmnis für den Aufbau und den Erhalt des Unternehmens sei. Nur bei jedem dritten Start-up stehen laut Umfrage für die nächsten 24 Monate ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung.„Auch wenn sich die Finanzierungssituation für Tech-Start-ups in Deutschland in den letzten Jahren verbessert hat, ist fehlendes Kapital nach wie vor die größte Hürde, um Teams aus Deutschland international erfolgreich zu machen“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. „Aus Sicht der Start-ups dauert es zudem zu lange, bis Finanzierungsrunden abgeschlossen sind.“

Tatsächlich müssen die Gründer eine lange Wartezeit in Kauf nehmen, bis Geld in ihr Start-up fließt: Finanzierungsrunden mit einem Business Angel dauern im Schnitt fünf Monate, mit Venture-Capital-Investoren gar sieben Monate.  So verwundert es nicht, dass bei der Finanzierung öffentliche Fördermittel eine wichtige Rolle spielen.


Jedes dritte Start-up hat aktuell oder in der Vergangenheit staatliche Fördermittel von Bundesländern, dem Bund oder der EU erhalten. „Die Politik hat mit dem EXIST-Programm, dem INVEST-Zuschuss oder dem High-Tech Gründerfonds eine ganze Reihe von Instrumenten geschaffen, um die Finanzierungssituation von Start-ups insbesondere in der frühen Phase zu verbessern“, so Veltkamp.

Lust auf Börsengang steigt

Bitkom begrüßt auch die Pläne des Bundesfinanzministeriums, einen sogenannten Tech Growth Fund mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro aufzulegen. Für jeden Euro an Wagniskapital, den ein Gründer erhält, soll er aus dem Fonds zusätzlich einen Euro Kredit erhalten. Veltkamp: „Gerade für große Finanzierungsrunden bleibt es zudem wichtig, noch mehr privates Venture Capital für Start-ups in Deutschland zu gewinnen. Derzeit sind die steuerlichen Bedingungen für private Geldgeber in anderen Ländern leider oftmals noch attraktiver als hierzulande. Daher müssen angekündigte Maßnahmen der Bundesregierung wie der Tech Growth Fund noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.“

Die Gründer unterdessen scheinen die manchmal nicht ganz einfachen Rahmenbedingungen nicht bremsen zu können: Die Zahl derjenigen, die sich einen Börsengang vorstellen können, ist in der Vergangenheit gestiegen. Hatte vor einem Jahr nur jedes vierte Start-up (28 Prozent) angegeben, dass es sich den Gang an die Börse vorstellen kann, so ist es nun jedes dritte (37 Prozent).