Smartphone-Flugzeuge, Software für Datenbrillen oder ein Blumentopf-Tamagotchi stritten auf dem Trendkongress um den Gründerpreis des IT-Verbandes Bitkom.

Sigmund Schimanski hat vorgemacht, wie man mit einem mitreißenden Vortrag überzeugt. Leidenschaftlich pries er seine Erfindung auf dem Bitkom Trendkongress in Berlin an: Einen intelligenten Blumentopf, der dank Wasserspeicher, Sensoren und Solarmodul automatisch das lästige Pflanzengießen übernimmt. Per Smartphone-App werden die Nutzer informiert, wenn sie Wasser nachfüllen müssen. “Sie können Tamagotchi mit echten Pflanzen spielen”, sagt Schimanski. Die Entwicklung sei nun serienreif, im kommenden Jahr sollen die Töpfe zu Preisen zwischen 29 und 49 Euro verkauft werden.

Mit dem FlowerNanny genannten Produkt gewann die Wuppertaler Firma Talwerk gestern den Bitkom Innovators Pitch in der Kategorie B2C. Der Gründerpreis des IT-Verbandes wurde zum neunten Mal vergeben.

Talwerk setzte sich dabei gegen TobyRich durch, ein Bremer Unternehmen dass Flugzeuge, Autos und anderes Spielzeug entwickelt, das sich per Handy lenken lässt. “Unser Smartplane ist das erste per Smartphone gesteuerte Flugzeug der Welt”, sagt Gründer Tobias Dazenko. Im kommenden Jahr sollen Augmented-Reality-Spiele hinzukommen, die den Spielspass mit den Fliegern noch erweitern sollen.

Dritter Finalist in der Konsumentenkategorie war das Berliner Start-up Barzahlen. Mit dem System können Online-Einkäufe bar in Filialen von dm, real und anderen Läden bezahlt werden. 7500 Online-Shops bieten die Bezahlmethode inzwischen an. Nutzer erhalten einen Zahlencode, den sie ausdrucken oder auf das Handy schicken, dann wird er einem von 3400 stationären Läden gescannt und bezahlt.

Das Angebot richtet sich vor allem an Kunden, die keine Kreditkarte haben oder Finanztransaktionen im Netz aus Sicherheitsbedenken scheuen. Denen will Gründer Florian Swoboda künftig auch den Gang in die Bankfiliale ersparen. Seine Vision: “An jedem Überweisungsformular, ob für Stromrechnung oder Strafzettel, sollte sich auch ein Barzahlen-Code befinden.”

Finalisten der Kategorie für Geschäftskunden

In der Kategorie für Geschäftskunden hatte es Secucloud ins Finale geschafft. Das Unternehmen bietet eine umfangreiche Sicherheitslösung, vor allem für kleine Unternehmen. Der Datenverkehr wird dabei über Secucloudserver geleitet und in der Cloud auf Sicherheitsbedrohungen analysiert. Auch Mobilgeräte können integriert und zentral verwaltet werden. Privatkunden könnten den Service ebenfalls nutzen. “Sie könnten damit auch einstellen, dass die Kinder nach 20 Uhr kein WhatsApp mehr nutzen können”, sagt Geschäftsführer Dennis Monner.

Zweiter Finalist war Itizzimo, ein Spezialist für die Entwicklung von Unternehmenssoftware für Datenbrillen. Verschiedene Dax-Konzerne nutzen die Technologie bereits, so werden beispielsweise Gabelstaplerfahrer im Lager direkt zum richtigen Regal navigiert. Daten aus den eigenen SAP- oder ERP-Systemen können so in Echtzeit genutzt werden, bei Fehlern an einer Maschine können Informationen zur Behebung aus der Zentrale direkt ins Sichtfeld des Mitarbeiters vor Ort eingespielt werden.

Auticon gewinnt Innovators Pitch

Gewonnen hat den Innovators Pitch die Firma Auticon. Das Berliner Unternehmen beschäftigt ausschließlich Autisten, die als IT-Consultants Softwaresysteme analysieren und testen. Viele haben es schwer, normale Jobs zu finden, dabei können Autisten durch ihre besonderen Fähigkeiten in der Mustererkennung gerade bei der Analyse von Daten oder Softwarecode wertvolle Arbeit leisten. “Aus Sozialhilfeempfängern werden so Steuerzahler”, sagt Auticon-Chef Kurt Schöffer. 40 Personen beschäftigt er derzeit, bis Ende 2015 will er die Zahl verdreifachen.

Zu den Kunden zählen Konzerne wie Vodafone und Infineon. Doch trotz des sozialen Aspekts betont Auticon vor allem den wirtschaftlichen Nutzen. So seien die Stundensätze durchaus mit anderen Unternehmen vergleichbar: “Wir sind ja keine Behindertenwerkstatt.”