Oft sind es auch die langen Entwicklungszyklen, die VCs abschreckt. Mit insgesamt etwa zehn Jahren rechnet Buchholz. „Wir sind ganz am Anfang aber wollen jetzt ein paar Pflöcke einrammen”, sagt der Dresdner Forscher über das medizinische Feld des Genom-Editings, das gerade entdeckt – und zunehmend hart umkämpft sein wird. „Klar, das kann auch Rückschläge geben, aber darin steckt eben auch ein sehr hohes Potenzial”, sagt er und verweist allein auf rund 8000 bekannte genetische Veränderungen, die Krankheiten auslösen – und zumindest theoretisch für Behandlung mit jener neuartigen Genschere in Frage kämen. „Ein möglicher Abnehmer sind Kliniken”, sagt Buchholz, der auf die Entwicklung eines komplett neuen Geschäftszweigs spekuliert: die Genomchirurgie.

So viel Verve ist in der Fachwelt der Biotechnologie eher die Ausnahme, bedauert EY-Experte Bialojan: „Normalerweise haben Forscher an der Universität wenig Anreize, Ideen zu kommerzialisieren, weil sie aufs Publizieren fokussiert sind und sich lieber von einem Forschungsauftrag zum nächsten hangeln“.

Hochschulabteilungen, die sich mit der Vermarktung von Forschungsergebnissen kümmern, sind für gewöhnlich Teil der Verwaltung. Der sogenannte „Technologietransfer” sollte privatwirtschaftlich aufgestellt sein, schlägt Bialojan vor: „Nur so würde aktiv in die Forschung geguckt und sich gefragt werden, woraus sich ein toller Deal machen ließe”.

Buchholz hofft das für seine neuartige Genschere. Doch so sehr er der Vermarktung entgegen fiebern mag, langfristig sieht er sich trotzdem mit Laborkittel an der Universität: „In erster Linie bin ich Forscher”, sagt er über seine Stärken. „Jemand anderes ist sicher besser geeignet, das Unternehmen zu leiten”.