Life-Science-Start-ups könnten Leben und Branchen umkrempeln. Doch die teure Entwicklung schreckt sogar die meisten Risikokapitalgeber ab. Der Staat alleine kann die Lücke nicht füllen.

Von Jonas Gerding

Frank Buchholz hat selbst Laien dazu gebracht, über „Tre-Rekombinasen” zu sprechen. So groß war die Erwartung an das Enzym, mit dem der Forscher der TU Dresden bahnbrechendes verkündete: HI-Viren aus dem Erbgut infizierter Zellen herauszuschneiden, um Aids zu heilen. Konferenzveranstalter, Journalisten und Kollegen riefen bei ihm an, als es seinem Forscherteam gelang, Labormäuse von der Krankheit zu befreien. Die Geldgeber würden schon noch folgen, dachte Buchholz.

Nun, zwei Jahre später, ist immer noch kein privater Investor an Bord, um klinische Tests zu finanzieren, die er auf etwa fünf bis zehn Millionen Euro bezifferte. „Es ist schon sehr frustrierend“, sagt der 52-Jährige, der daran zweifelt, dass Wagniskapitalgeber ihrem Namen gerecht werden: „Uns allen ist doch klar, dass es da auch Risiken ist, aber niemand ist bereit diese einzugehen“.

Viel zu oft scheitern smarte Forscher der Biotechnologie in Deutschland daran, ihre Ideen auf den Markt zu bringen – und müssen schließlich auf öffentliche Mittel zurückgreifen. Im Fall des Dresdner Forschers steuerte schließlich das Bundesministerium für Bildung und Forschung die nötigen Gelder bei. In Kooperation mit Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut kann er die Innovation nun voranbringen.

Unterm Strich schließen staatliche Förderprogramme die Finanzierungslücke jedoch nur mit bescheidenem Erfolg: Die Zahl der Gründungen stagniert. Nur acht neue Startups zählten die Wirtschaftsprüfer von EY im Jahr 2017, sieben weniger als im Vorjahr.

Buchholz ist der Typ Wissenschaftler, der auch jenseits der akademischen Zirkel etwas bewegen möchte. Er weiß, wie die Privatwirtschaft tickt, weil er sich vor seinem Studium zum Industriekaufmann ausbilden ließ. Vor allem aber ist er besessen von einer Technologie, die damals vor 25 Jahren, als er an ihre zu forschen begann, noch weit entfernt war von dem Hype, der sie heute umgibt: Genome-Editing, oft als „Genschere“ bezeichnet, weil das molekularbiologische Verfahren bestimmte Parts aus der DNA herausnehmen kann. Zum Beispiel, um HI-Viren loszuwerden. Theoretisch jedoch auch, um zukünftig Designerbabys zu erschaffen, wie Kritiker mahnen.

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