Sie gelten als die ewigen Hoffnungsträger, der Durchbruch ist Ihnen aber noch nicht gelungen: Warum es Biotech-Gründer in Deutschland schwer haben – trotz Promi-Investoren wie Bill Gates.

Von Till Daldrup

Die Idee zum Start-up der Biologin Marion Kauth wurde im Stall geboren. Das klingt zwar ein wenig nach Weihnachten, ist aber der Startpunkt eines modernen Biotech-Unternehmens: Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ruhr-Universität und des Forschungszentrums Borstel arbeitet Kauth an einem Mittel zur Allergieprophylaxe. Sie und ihr Team suchten den Grund dafür, dass Landkinder seltener unter Heuschnupfen leiden – und fanden ihn im Kuhstall. Lactococcus lactis heißt das Bakterium, das die Allergie stoppen soll.

Nun möchten Kauth und ihre Mitarbeiter von Protectimmun aus diesem Bakterium ein Nasenspray entwickeln, welches Heuschnupfen verhindert, noch bevor er auftritt. Das Problem: Nachdem die Anfangsphase des Projekts noch über staatliche Förderung und kleinere Fonds finanziert wurde, fehlt dem Unternehmen nun das Geld für klinische Studien. „Wir brauchen einen finanzstarken Investor“, sagt Kauth.

Damit ist das Start-up aus Gelsenkirchen nicht allein: Viele Biotech-Unternehmen stemmen eine Anschubfinanzierung durch Förderprogramme, danach geht ihnen finanziell die Puste aus. Der Geschäftsplan steht, aber klinische Studien sind teuer und die Suche nach einem Investor beginnt – gerade in Deutschland keine leichte Aufgabe.

Dem Biotech-Report von Ernst and Young zufolge haben Biotech-Start-ups in Deutschland 2013 etwa 325 Millionen Euro an Kapital gesammelt. Damit konnten etwa 30 Millionen Euro mehr Kapital gewonnen werden als ein Jahr zuvor, doch die Statistik ist verzerrt: Nur wenige große Unternehmen wie Ganymed Pharmaceuticals (45 Millionen) und immatics biotechnologies (34 Millionen) profitierten von den Investitionen, die breite Masse der Firmen ging leer aus.

„Uns fehlen in Deutschland die großen Fonds, die investieren“, sagt Peter Heinrich vom Branchenverband BIO Deutschland. „Einige Fonds sind zwar durchaus interessiert, fühlen sich aber nicht stark genug, um Lead-Investor bei einem Biotech-Unternehmen zu werden.“ Und auch ausländische Geldgeber interessierten sich für den deutschen Markt, investierten aber wiederum nur, wenn bereits ein großer Investor das Unternehmen unterstütze. „Das ist für die Start-ups also eine verzwickte Situation“, sagt Heinrich.