In der Biotech-Branche sind Neugründungen selten, offenbart eine aktuelle Studie. Dabei sind die Rahmenbedingungen so gut wie lange nicht mehr.

Es gibt investitionsfreudige Risikokapitalgeber und zahlreiche Förderungsmöglichkeiten: Die Ausgangssituation für Start-ups in der Biotechnologie-Branche haben sich zuletzt deutlich verbessert. Trotzdem stagniert die Zahl der Neugründungen auf einem niedrigen Niveau. Das sind Ergebnisse des heute veröffentlichten Deutschen Biotechnologie-Reports 2017. Den Bericht hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY in Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland und dem Arbeitskreis der Deutschen BioRegionen erstellt.

Demnach wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 15 Neugründungen festgestellt. „Angesichts der zahlreichen Start-up-Initiativen ist das sehr ernüchternd“, sagt EY-Studienautor Siegfried Bialojan. „Offenbar hat die schwierige Finanzierungssituation der vergangenen Jahre zu Zurückhaltung bei jungen Entrepreneuren in der Branche geführt.“ Eine stärkere Gründungsaktivität erwartet der Experte indes für die kommenden Jahre. Denn: Der Kapitalzugang in der Branche hat sich extrem verbessert. Risikokapitalgeber investierten alleine im vergangenen Jahr 213 Millionen Euro.

Hochburgen München und Berlin

Die Studie offenbart auch, wo 2015 und 2016 gegründete Start-ups in dem Sektor Schwerpunkte setzen. Die Hälfte ist auf die Entwicklung von Medikamenten spezialisiert. Jeweils 18 Prozent beschäftigen sich mit Dienstleistungen oder molekularer Diagnostik – dabei werden krankheitsrelevante Veränderungen im Erbgut des Menschen nachgewiesen. Bei den Start-ups handelt es sich üblicherweise um Ausgründungen aus dem Umfeld von Universitäten und Forschungszentren. Typische Orte für die Gründung sind München und Berlin. Beide Städte gelten als Biotech-Hochburgen und versprechen einen guten Zugang zu Investoren.

Nach Einschätzung der Studienautoren können Gründer stark davon profitieren, dass große Player aus der Pharma- und Medizintechnik den Innovationsdruck immer deutlicher spüren. Sie setzen deswegen zunehmend auf externe Innovationen – und erhöhen dazu Budgets ihrer Beteiligungsgesellschaften, führen Start-up-Wettbewerbe durch und etablieren eigene Acceleratoren. Regionale und lokale Initiativen fördern Biotech-Gründer mit Hackathons, Slams und ähnlichen Formaten.