Die kapitalintensive Branche macht es Neugründungen weiterhin schwer. Experten fordern ein radikales Umdenken bei der Förderung der jungen Unternehmen.

Von 15 auf acht: Die Zahl der Neugründungen auf dem deutschen Biotech-Markt hat sich laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY im Vergleich zum Vorjahr beinahe halbiert. Die gesamte Branche kann laut des Biotech-Reports 2018 (hier geht es zum PDF) zwar zulegen, was Umsatz und Mitarbeiterzahlen angeht. Aber die „Stagnation bei den Forschungs- und Entwicklungs-Investitionen und bei den Unternehmensgründungen“ bereite Sorgen, sagt Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbands BIO Deutschland.

Hoffnung gebe es zwar: Laut EY-Partner Siegfried Bialojan hätten zunehmend auch internationale Risikokapitalgeber junge deutsche Unternehmen auf dem Schirm. Ein Beispiel dafür ist das Biotech-Start-up Curetis aus der Nähe von Stuttgart, welches Anfang des vergangenen Jahres die Zulassung für den US-Markt erhielt. Dazu kommen Acceleratoren von Branchengrößen, wie der Berliner Inkubator von Bayer oder das frisch in die neue Runde gestartete Start-up-Programm von Merck. Zudem hätten sich fünf deutsche Start-ups im vergangenen Jahr signifikante Finanzierungen über zehn Millionen Euro sichern können, so die Studie.

Dennoch mahnen die Branchenvertreter einen Wandel an: „Ein Blick nach Europa oder in die USA zeigt, dass die Dynamik in anderen Ländern viel höher ist“, sagt Bialojan. Ein „Modell Deutschland“ solle helfen, den Anschluss nicht zu verlieren: Die Forschungsförderung etwa seit zu projektfokussiert ausgerichtet, Unternehmertum werde zu wenig honoriert – finanziell wie gesellschaftlich, so Bialojan. Zudem müsse die Kapitalverfügbarkeit verbessert werden – „etwa durch Steuervergünstigungen für Anleger in Risikokapitalfonds sein.“