Trotz diverser abgesagter Börsengänge hat sich die Zahl der europäischen Exits im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Deutsche Start-ups liegen dabei weit vorne.

Ob 6Wunderkinder, Metaio oder Quandoo: In Deutschland haben 2015 gleich mehrere Gründer den Exit gewagt und Millionensummen eingestrichen. Bei 6Wunderkinder soll der Betrag zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar gelegen haben, bei Quandoo bei 200 Millionen Euro.

Eine Analyse des Portals „Tech.eu“ zeigt nun, dass dies hierzulande keine Einzelfälle gewesen sind: Demnach verzeichnete im vergangenen Jahr kein Land mehr Exits als die Bundesrepublik. Damit ist Deutschland Spitzenreiter in Europa und landet sogar noch vor dem großen Konkurrent Großbritannien. Das ist auch insofern bemerkenswert, weil diverse angekündigte Börsengänge wie beispielsweise von Hellofresh nicht stattfanden.

Die Zahlen belegen aber nicht nur, dass die deutsche Start-up-Szene an Attraktivität gewonnen hat, sondern auch die europäische. Laut „Tech.eu“ verzeichnete der alte Kontinent 2015 knapp 600 Exits, im Vorjahr waren es gerade einmal 358 gewesen. Insgesamt kommt Europa auf eine Exit-Summe von 136,75 Milliarden Euro – ein Plus von 71 Prozent im Vergleich zu 2014. Damals waren es 80,14 Milliarden Euro gewesen.

Europäische Start-ups, US-amerikanische Käufer

Auch die Summen, die die Investoren pro Unternehmen zahlten, stiegen damit an: War ein Start-up den Investoren 2014 durchschnittlich 224 Millionen Euro wert, so lag der Betrag 2015 bei 230 Millionen Euro. Die Beträge, die für 6Wunderkinder und Quandoo bezahlt wurden, wären damit sogar nur unterdurchschnittlich.

Die größte Käufergruppe bleiben die US-Amerikaner. Wie auch im Vorjahr veräußerten die meisten Gründer ihr Start-up an US-Konzerne und -Investoren. Damit liegen 6Wunderkinder und Metaio voll im Trend: Die Unternehmen gingen an den Softwaregiganten Microsoft beziehungsweise den iPhone-Hersteller Apple. Insgesamt reduzierte sich der Anteil der Käufe von US-Investoren jedoch: Ging 2014 noch jedes dritte Unternehmen an US-amerikanische Käufer, war es 2015 nur noch jedes Vierte.

Neben den Amerikanern wildern auch deutsche Geldgeber in der europäischen Start-up-Szene: Am zweithäufigsten stammten die Investoren aus der Bundesrepublik. Beispiele dafür sind die Übernahme von Runtastic durch Adidas oder Hassle durch Helpling.