Die Hauptstadt gilt als Zentrum der deutschen Start-up Kultur, doch in Sachen Gehalt ist man dort alles andere als fortschrittlich.  

Wer sich für eine Tätigkeit in einem Start-up entscheidet, begründet das häufig mit den flachen Hierarchien sowie der Gleichberechtigung, die zwischen den Mitarbeitern herrsche. Dass diese Annahme nicht der Wahrheit entspricht – zumindest nicht, was die Bezahlung angeht – zeigt eine aktuelle Gehaltsumfrage unter Start-ups, die der Branchendienst BerlinStartupJobs zusammen mit der Hochschule Aalen und dem Karriereportal Jobspotting durchgeführt hat. An der Umfrage haben insgesamt 3388 Mitarbeiter aus der deutschen Tech-Szene teilgenommen, 63 Prozent arbeiten bei Start-ups, rund 60 Prozent leben in Berlin.

Das Ergebnis ist ernüchternd:  Das mittlere Einkommen männlicher Vollzeitangestellter in Berliner Start-ups liegt bei 3333 Euro, weibliche Angestellte kommen im Durchschnitt auf 2500 Euro. Die Lohnkluft in Start-ups ist demzufolge sogar größer als in der deutschen Durchschnittsfirma.

Gehälter variieren stark

In dem Gehaltsreport finden sich zudem umfassende Angaben darüber, wie viel man bei einem Start-up in welcher Position verdient. Das mittlere monatliche Bruttoeinkommen für Einstiegspositionen liegt demnach bei 2337 Euro. Arbeitnehmer mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung beziehen ein monatliches mittleres Einkommen von 3080 Euro. Wer sechs bis zehn Jahre Erfahrung aufweist, verdient ein mittleres Einkommen von 3845 Euro, Befragte mit mehr als zehn Jahren Erfahrung gaben ein mittleres Einkommen von 4603 Euro an. Die Gehälter variieren je nach Aufgabe stark.

Zufriedenheit ist dennoch hoch

Besonders prekär sind die Arbeitsverhältnisse für Praktikanten, die von der Einführung des Mindestlohns kaum zu profitieren scheinen. Viele Start-ups nutzten rechtliche Schlupflöcher, wie die Scheinselbstständigkeit, um die Gehälter zu drücken. Wer vor dem Mindestlohn ein Praktikant war, sei heute der Werkstudent oder Freelancer, sagt Robin Eric Haak, Geschäftsführer von Jobspotting. Hinzu komme die Tatsache, dass manche Start-ups Verträge für 20 Stunden aufsetzten, Praktikanten in Wahrheit aber 40 Stunden arbeiten ließen.

Am Ende bleibt ein Trost: Start-ups sind nach wie vor attraktive Arbeitgeber. Trotz der relativ geringen Einkommen seien Befragte, die in Start-ups arbeiten, nach eigenen Angaben zufriedener als Befragte, die nicht in Start-ups tätig seien, heißt es in der Studie.