Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt der Gründer von Beekeeper, Cristian Grossmann, an. Er will Mitarbeiter außerhalb des Büros vernetzen. Wie urteilt Investor Christian Miele?

Eine halbe Minute mit Investor Christian Miele im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Unsere Plattform hilft Unternehmen, mit Mitarbeitern ohne Schreibtisch zu kommunizieren. Das kann jemand in der Produktion, aber auch im Außendienst sein. Beekeeper ist eine Mischung aus Intranet und WhatsApp-Chat: Mit unserer Hilfe können Unternehmen via Smartphone beispielsweise Mitarbeiterumfragen durchführen. Die Mitarbeiter selbst können mit Beekeeper Urlaubsanträge stellen und sich an Vorgesetzte wenden. Sogar die Lohnbuchhaltung ist integriert.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir sind 2012 als Flirt-Plattform gestartet. Ein Viertel der Schweizer Studenten haben sie genutzt – meistens, um sich auszutauschen. Als Unternehmen das bemerkten und uns fragten, ob sie sich über die Plattform auch mit Mitarbeitern vernetzen können, haben wir unser Geschäftsmodell angepasst.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unsere Kunden schließen für jeden Mitarbeiter ein Abo ab. Weltweit gibt es zwei Milliarden Menschen, die nicht am Schreibtisch arbeiten. Einen guten Teil davon zu erreichen, ist uns erst einmal wichtiger als Gewinn.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) … Design und Nutzerfreundlichkeit spielen eine große Rolle bei uns. Deshalb ist unsere Kultur eher wie bei Apple, wenn auch nicht so extrem perfektionistisch.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Bei uns bewerben sich sogar Imker, weil sie Beekeeper falsch verstehen. Aber im Ernst: Wir haben 29 Nationalitäten an Bord. Und unsere Frauenquote liegt bei 42 Prozent.

Was war euer größter Rückschlag?
An der ersten Finanzierung für die Flirt-Plattform haben wir neun Monate gegraben und nur 50.000 Euro erhalten. Das war sehr ernüchternd.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann dominieren wir den Markt für Kommunikation mit Mitarbeitern ohne Schreibtisch – in Europa und Amerika.

Fakten zum Start-up

Kunden: 500 Unternehmen mit zwei Millionen Mitarbeitern
Finanzierung: 26 Millionen Euro Wagniskapital
Gründung: 2012 in Zürich
Mitarbeiter: 130

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 4/5
Timing: 4/5

„Tolles Konzept und alles richtig gemacht. Interessant wird in Zukunft, welche Möglichkeiten das Team nutzen wird, um zusätzlich zum Abo Geld zu verdienen.“
Christian Miele, Partner beim Risikokapitalgeber Eventures in Berlin – und Kind der Unternehmerfamilie Miele