FinTechs werden oft von regulatorischen Anforderungen ausgebremst. Die eigene Banklizenz ist oft zu teuer und aufwändig. Ein Zwischenweg ist beliebt – noch. 

Eine eigene Banklizenz? Mit allen Rechten und Pflichten? Für eine kurze Zeit habe man bei Whitebox tatsächlich diese Option geprüft, bestätigt Salome Preiswerk, Gründerin der Online-Vermögensverwaltung. Lange wurde die Idee jedoch nicht diskutiert: “Wir haben dann schnell festgestellt, dass bei einem solchen Modell Kosten und Nutzen in keinem positiven Verhältnis stehen“, sagt Preiswerk. Stattdessen setzt das FinTech jetzt auf eine Kooperation mit Unternehmen der Frankfurter Fintech AG: Konten und Depots werden bei der biw-Bank geführt, das Hosting der Website übernimmt Xcom. Die Vorteile aus Sicht von Whitebox: Die Infrastruktur stand bereit, die Geschäfte konnten direkt beginnen, die Kosten sind kalkulierbar. “Zudem benötigen wir bei genauerem Hinsehen ja einen vergleichsweise kleinen Teil einer Bank, müssten aber dennoch die Lizenz für ‚alles’ haben“, sagt Preiswerk.

Dankend zurückgegeben

Finanzgeschäfte ja, Banklizenz nein danke: Diese Erfahrungen machen aktuell zahlreiche junge Unternehmen, die sich mit oder rund um Finanzdienstleistungen positionieren wollen. Als eine der ersten Firmen der Branche hatte die Berliner Crowdinvest-Plattform Bergfürst schon 2014 eine vollständige Banklizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten – und sie mit deutlich weniger Medienrummel ein Jahr später wieder zurückgegeben. Vor allem administrative Mehrarbeit habe die Lizenz mit sich gebracht, sagte der Vorstand Guido Sandler in Interviews.

„Nachweislich dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell“

Die Anforderungen der BaFin sind in der Tat hoch – zumindest, was die Dimensionen von jungen Unternehmen angeht. Man müsse alleine im ersten Jahr mit einem Kapitalbedarf von etwa sieben bis zehn Millionen Euro rechnen, sagt Mathias Gans, der sich mit der Digitalisierung der Finanzbranche bei der Unternehmensberatung zeb beschäftigt. Ein weiteres Problem: Die Finanzaufsicht verlangt ein „nachweislich dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell“ – das können junge Unternehmen oft nur schwer nachweisen, weil es ja häufig um Angriffe auf tradierte Geschäftsprozesse geht. Nur mit der Lizenz kann man so sein Modell in der Praxis beweisen. Gleichzeitig ist es schwierig, ohne vorgewiesene Geschäfte eine Lizenz zu erhalten.