In Baden-Württemberg schlägt das Herz des Mittelstandes. Beim Gründen hängt das Bundesland aber hinterher. Eine Podiumsdiskussion thematisierte, was sich ändern muss.

Baden-Württemberg hat das Thema Start-up vor lauter Euphorie über Automobil und Maschinenbau verschlafen: Das war das kritische Urteil von Ulrich Dietz, Gründer und CEO des Stuttgarter Softwarekonzerns GFT Technologies auf einer Podiumsdiskussion des Bundesverbands Deutscher Start-ups. Am Dienstag hatte der Verein unter dem Motto „Vom Start-up zum Weltmarktführer – ist Baden-Württemberg bereit für eine neue Gründerzeit?“ mehrere Vertreter aus Wirtschaft und Politik eingeladen, um sich mit der aktuellen Lage für Start-ups in dem Bundesland zu beschäftigen.

Die Zahl der Neugründungen sinkt in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten. Wurden laut des Instituts für Mittelstandforschung 1997 noch 54.597 Unternehmen gegründet, waren es 2013 nur 34.093. Durch die Nähe zu großen Unternehmen wie Bosch und Daimler entscheiden sich die meisten Absolventen für eine Karriere dort. Das Risiko einer Gründung ist für sie meist keine Alternative. In der Diskussion zeigte sich vor allem: Es fehlt nicht nur ein langfristiger Plan, sondern auch das Kapital für Gründungen.

Ulrich Dietz von GFT Technologies, der noch vor seinem Studium mit 19 Jahren sein eigenes Unternehmen gegründet hat, kritisierte am Dienstag vor allem eine fehlende Start-up-Kultur in Baden-Württemberg. „Für einen grundlegenden Wandel wird es nicht reichen, dass die Landesregierung weitere zwei Millionen Euro bereitstellt“, sagte er. Die Frage sei, wie man langfristig eine Start-up-Kultur in Baden-Württemberg kreieren könne, wie es sie in Berlin gibt.

Als deutsches Start-up immer ein Bittsteller

Dort sei zwar auch nicht jedes Start-up das nächste Google. Aber trotzdem fehle in Baden-Württemberg ein langfristiger Plan. Als konkretes Beispiel nannte er ein Venture Fond an der Filmhochschule Ludwigsburg, der Start-ups aus der Filmszene fördern könnte. Da fehle von Seiten der Landesregierung eine Zukunftsstrategie.

Ähnlicher Meinung war Carsten Unnerstall. Er ist Gründer des Stuttgarter Software-Unternehmens Tocario und für seine Firma immer wieder in den USA unterwegs. „Die Kultur im Silicon Valley ist anders“, sagte er. In Deutschland sei man bei Geldgebern als deutsches Start-up immer ein Stückweit ein Bittsteller.