Der Automobilkonzern Daimler will Stuttgart zu einem neuen Start-up Zentrum machen. In einem Wettbewerb präsentierten nun 23 Gründer ihre Ideen.

Von Sina Illi

Michael Raschke tüftelt bereits seit vielen Jahren an seiner Idee, die die Automobilbranche auf dem Weg zum autonomen Fahren unterstützen soll. Gemeinsam mit seinen Partnern entwickelt er in seinem Stuttgarter Start-up Blickshift Algorithmen, um die Analyse des Blickverhaltens zu vereinfachen. Dabei spielen verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Situation, in der sich der Fahrer befindet, sein Alter oder Geschlecht eine Rolle. Langfristig soll es über Kameras möglich sein zu erkennen, was der Autofahrer sieht – oder eben nicht, um so gefährliche Situationen zu vermeiden.

Gründer wie Raschke will Daimler mit dem Projekt Start-up Autobahn in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Kapitalgeber Plug and Play und der Universität Stuttgart ins Ländle locken. Start-ups sollen hier neue Impulse liefern – nicht nur mit ihrer Technologie, sondern auch durch ihre Unternehmenskultur. 300 Unternehmen aus aller Welt waren im Gespräch. 23 stellten ihre Ideen am Donnerstag in Stuttgart vor, um einen der zehn Plätze im Programm zu erhalten. Die ausgewählten Start-ups werden dann 100 Tage lang mit Raum, Finanzierung, Menschen und Ausrüstung unterstützt. Außerdem gibt es eine Option zur Verlängerung des Projekts im Silicon Valley.

Jährlich 20 Start-ups fördern

Das langfristige Ziel sei es irgendwann jährlich 20 Start-ups in Baden-Württemberg zu fördern, erklärt Plug and Play-Chef Saeed Amidi. Das Potential sei vorhanden. Allerdings müsse sich dafür die Denkweise der Studenten in der Gegend ändern. Momentan träumen die wenigsten Absolventen davon sich mit einem Start-up selbständig zu machen, sondern eher von einer Festanstellung bei einem der großen Automobilhersteller oder einem Zulieferer. Das sei an anderen Standorten anders. 50 Prozent der Studenten in Stanford zum Beispiel träumen davon ein Start-up zu gründen, sagt Amidi.

Neun von zehn dieser Start-ups scheitern allerdings bereits auf dem Weg, meist aufgrund limitierter Ressourcen. An diesem Punkt wolle man unterstützen, erklärte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche in seiner Begrüßungsrede. Aber nicht nur mit Geld. Ein ständiger Austausch mit den Gründern sei das Ziel. Man wolle ein starker Partner sein, bekräftigte er: Eine Autobahn sei ja schließlich keine Einbahnstraße. Wie beim Ende-aller-Verbote-Schild soll es hier symbolisch keine Grenzen geben. Runter von der Bremse und Gas geben sei die Devise, motivierte Zetsche sein internationales Publikum.