Authada macht Smartphones zu Lesegeräten für den elektronischen Personalausweis – und will Postident und Co. überflüssig machen.

Bereits seit 2010 gibt es den elektronischen Personalausweis – genutzt werden die Onlinefunktionen bisher aber kaum. Der Grund: Bisher waren meist spezielle Lesegeräte erforderlich, hilfreiche Anwendungen musste man mit der Lupe suchen. Ändern will das Authada. Das Spin-off der Hochschule Darmstadt macht Smartphones zum Lesegerät. So können sich Nutzer ohne zusätzliche Hardware digital ausweisen und etwa bei Onlinediensten oder Banken registrieren.

Schon seit dem Frühjahr 2016 ist der Inkubator Finlab an Authada beteiligt. Nun hat das Start-up einen weiteren bekannten Geldgeber gefunden: Der Main Incubator hat einen Betrag in siebenstelliger Höhe investiert. Für die Commerzbank-Tochter ist es das insgesamt 15. Investment in ein Start-up. Mit dem neuen Investor sei auch eine Zusammenarbeit für die Produkte der Commerzbank-Gruppe geplant, erklärt Authada-CEO Jörg Jessen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Details dazu nannte er nicht.

In der Pressemitteilung heißt es vage, die Lösung bei Authada solle künftig bei einer Direktbank und anschließend einer der „großen EU-Finanzinstitutionen im Retailbanking“ genutzt werden. Per Handy könnten sich damit beispielsweise neue Kunden ausweisen, um ein Konto zu eröffnen. Bisherige Kunden von Authada sind Paysafecard – ein in Wien ansässiger Anbieter von Prepaid-Bezahllösungen – und die Social-Trading-Plattform Ayondo.

Günstiger als andere Verfahren

Authada bietet Identifizierungslösungen derzeit auf drei Wegen an: Zum einen können Unternehmen die Technologie in ihre bestehenden Apps integrieren. Alternativ kann eine Standalone-App von Authada genutzt werden – so geht etwa Paysafe vor. Eine dritte Möglichkeit ist der Einsatz vor Ort: „Bankkunden zum Beispiel können sich so in der Filiale legitimieren – die Mitarbeiter der Bank lesen dann den Chip mit ihren Mobilgeräten aus“, sagt Jessen.

Gegenüber Postident oder videobasierten Verfahren wie IDnow oder WebID funktioniert die Identifikation mit dem elektronischen Personalausweis rund um die Uhr. „Vor allem haben wir aber wegen des geringen Personalbedarf einen großen Kostenvorteil“, so Jessen. Eine Einschränkung von Authada: Die Technologie funktioniert nur mit neueren Android-Smartphones, die über einen NFC-Chip verfügen. iPhone-Nutzer bleiben bisher außen vor, da Apple keine passenden Schnittstellen bereitstellt.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass Apple die Schnittstelle bald freigibt“, sagt Jessen. Er verweist darauf, dass in Japan und Südkorea bereits die NFC-Chips der Apple-Geräte im öffentlichen Personennahverkehr genutzt werden können. „Wenn es eine öffentliche viel genutzte Anwendung gibt, kann dasselbe in Deutschland passieren.“ Druck auf den Konzern übe zudem die EU-Wettbewerbsbehörde aus.

Potenzial in vielen Branchen

Aktuell will sich das Darmstädter Start-up auf Anwendungen in der Finanzbranche konzentrieren. Gespräche finden laut Jessen aber auch mit Unternehmen anderer Branchen statt – etwa mit Krankenkassen. „Ab 2021 soll die elektronische Patientenakte eingeführt werden, dafür braucht man eine sichere Legitimierung“, sagt Jessen. „Unser Verfahren eignet sich optimal dafür.“ Eine weitere große Zielgruppe seien Mobilfunkanbieter,  da keine Prepaid-SIM Karten mehr ohne Identifikationsnachweis genutzt werden können.

Seit der Gründung 2015 hat sich das Team von Authada intensiv mit regulatorischen Vorgaben auseinandergesetzt. Stolz verweist Jessen darauf, bereits vom BSI hinsichtlich der IT-Sicherheit zertifiziert worden zu sein und Zulassungen vom Bundesverwaltungsamt erhalten zu haben. Damit könne das Unternehmen bereits in zahlreichen Branchen tätig sein.

Als nächsten Schritt plant Authada eine Zertifizierung als sogenannter Identifizierungsdienstanbieter (IDA), womit dem Start-up alle Märkte offen stünden. Erreichen will Jessen diese Zertifizierung bis Anfang 2019. Dann sei auch eine große Series-A-Finanzierungsrunde geplant. „Wir werden unseren Fokus deutlich erweitern und unser Team weiter aufstocken.“ Derzeit beschäftigt Authada 25 Mitarbeiter.