August-Wilhelm Scheer ist einer der deutschen IT-Pioniere und hat mit dem Verkauf seiner Softwarefirma IDS Scheer ein Vermögen verdient. Jetzt investiert der 75-Jährige in Start-ups. Ein Gespräch über die Nutzlosigkeit von Businessplänen, verlorene Millionen und ein bisschen Jazz.


In der Eingangshalle des Scheer Towers, einem rostrot gestrichenen Büroturm in Saarbrücken, klebt ein Bandplakat auf der Glaswand des Empfangsschalters. Die „Groovin’ High Group“ wirbt für Konzerte in einem Saarbrücker Jazzclub, ganz oben steht der Name des Frontmanns: August-Wilhelm Scheer. Der 75-Jährige spielt Baritonsaxophon, am liebsten Bebop und Swing, „immer nur mit Profis“. Musik sei Teil seiner Lebensqualität, sagt Scheer. Wenn er davon erzählt, dass er in seinem Keller 40 verschiedene Baritonsaxophone angesammelt hat, blitzen seine eisblauen Augen auf und die ernsten Gesichtszüge weichen einem Lächeln.

Er führt in sein Büro im neunten Stockwerk und zeigt zu den bodentiefen Fenstern. „Wenn Ihnen langweilig wird, können Sie ja rausschauen.“ Dann holt er ein Schaubild hervor, Scheer möchte jetzt über eine andere Gruppe sprechen – die keine Musik macht, sondern Geschäfte mit Software: die „Scheer Group“. Kern des Unternehmens ist eine Beratung für Firmen, die ihr Geschäftsmodell in die digitale Welt übertragen wollen. Seit kurzem finden sich auf dem Organigramm auch zwei Start-ups.

Herr Scheer, Sie haben in ein Unternehmen investiert, das Okinlab heißt und Holzmöbel fertigt. Wie passt das zu Ihrer eigenen Firma, die Kunden bei der digitalen Transformation berät?
Das ist nicht irgendein Möbelunternehmen, da steckt ein innovatives IT-System hinter. Kunden können auf einer Internetplattform zum Beispiel Regale nach ihren Wünschen formen und das Material und die Farben anpassen. Am Ende bekommen sie Möbel nach Maß wie vom Schreiner, aber zu Preisen wie aus der Massenproduktion.

Nun ja, die Regale kosten um die 1.000 Euro. Was versprechen Sie sich von der Beteiligung?
Ich sehe das vor allem als Chance, um mein etabliertes Beratungsunternehmen zu befruchten. Denn einige unserer Kunden kommen aus der produzierenden Industrie. Ab und zu schicke ich meine Mitarbeiter rüber zu den jungen Gründern, um ihnen zu zeigen, was möglich ist.

Worauf achten Sie, bevor Sie in Start-ups investieren?
Mehr als das Geschäftsmodell interessieren mich die Menschen, die dahinterstehen. Ich finde es gut, wenn sich die Lebenswege der Gründer spreizen. Wenn im Gespräch drei Nerds vor mir sitzen, die auch noch miteinander befreundet sind, werde ich skeptisch. Man braucht diverse Teams für vielfältige Ideen.

Wie finden Sie interessante Start-ups?
Ich lasse mich beraten, zum Beispiel von dem Leiter des Starterzentrums der Universität des Saarlandes. Außerdem schaue ich mich bei der Computermesse Cebit in der Gründerhalle um.