Das Start-up für Computer Vision hat 4,1 Millionen Euro eingeworben. Im Interview erklärt Mitgründer Till Kaestner, wie die Technologie das autonome Fahren voranbringt.

Mit ihrem Unternehmen Artisense wollen der ehemalige Audi-Entwickler Andrej Kulikov, der Informatikprofessor Daniel Cremers und der Internetunternehmer Till Kaestner das Sehvermögen von Maschinen verbessern. Das Trio setzt dabei auf einfache Kameras – und komplexe Algorithmen, die aus den Videoaufnahmen eine 3D-Welt rekonstruieren.

Gegründet 2015, bewegte sich das Start-up mit Sitz in Palo Alto, München und Tokio bisher weitgehend unter dem Radar, drängt nun aber zunehmend in die Öffentlichkeit. So hat Artisense kürzlich den Pitch-Wettbewerb der Slush-Konferenz in Tokio gewonnen. Vor allem hat das Start-up nun eine erste Finanzierungrunde abgeschlossen – und dabei satte 4,1 Millionen Euro eingeworben. Investoren sind die Wagniskapitalgeber Vito Ventures aus München, Project A aus Berlin und der Business Angel Chris Hitchen.

Artisense beschäftigt aktuell zehn Mitarbeiter. In Deutschland ist das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Teil des Airbus-Accelerators Bizlab in Hamburg.

Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt Chief Operations Officer (COO) Till Kaestner, was das Start-up nun vorhat und wie die Technologie selbstfahrende Autos, Drohnen und Lieferroboter voranbringen soll.

Herr Kaestner, Sie waren vorher Deutschlandchef von Linkedin und Geschäftsführer einer Digitalagentur. Wie wurden Sie Mitgründer von Artisense?
Den Grundstein für das Unternehmen hat unser CEO Andrej Kulikov gelegt. Er war einer der führenden Softwareentwickler bei Audi. Dort hat er festgestellt, dass das autonome Fahren aktuell noch an elementaren Technologien scheitert und 2015 im Silicon Valley Artisense gegründet, um neue Lösungen zu finden. Mit Daniel Cremers hat sich ihm einer der international führenden Forscher für Bildverarbeitung und Mustererkennung angeschlossen. Mich haben die Beiden dazu geholt, um das Unternehmen wirtschaftlich voranzubringen.

Einen wichtigen Meilenstein haben Sie nun erreicht: Artisense hat gerade eine ungewöhnlich hohe Anschubfinanzierung bekommen – aus Deutschland. Wäre da nicht ein US-Wagniskapitalgeber naheliegender gewesen?
Für Start-ups hat das Silicon Valley ohne Frage ein attraktives Ökosystem, trotzdem haben wie uns erstmal in Deutschland um Investoren bemüht. Unser Standort hier ist schon deswegen enorm wichtig, weil Daniel Cremers an der TUM lehrt und viele Experten aus seinem Institut an Artisense beteiligt sind. Wir begreifen uns als Deep-Tech-Unternehmen und finden in München exzellente Bedingungen vor: Die Stadt hat als Forschungsstandort ein sehr gutes Image, man findet hier Leute mit dem richtigen Mindset – und in Deutschland insgesamt eben auch aufgeschlossene Investoren. Auf längere Sicht wird mit Sicherheit aber auch das Silicon Valley sehr wichtig für uns.

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