Das Unternehmen ist auf Software für den Fernzugriff auf Computer spezialisiert – die Gründer waren einst beim großen Konkurrenten Teamviewer angestellt.

Schneller und benutzerfreundlicher als existierende Lösungen: Mit diesem Anspruch entwickelt Anydesk seit 2012 eine Software für den Fernzugriff auf andere Computer. Hinter dem Stuttgarter Start-up stehen ehemalige Mitarbeiter von Teamviewer – das im benachbarten Göppingen ansässige Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern von Fernwartungs-Software. Mit ihrem Konkurrenzprodukt haben die Anydesk-Gründer Philipp Weiser, Olaf Liebe und Andreas Mähler nach eigenen Angaben seit dem Verkaufsstart im Juli 2015 über 7.000 Unternehmenskunden gewonnen.

Nun meldet das Gründertrio einen neuen Meilenstein: 6,5 Millionen Euro hat Anydesk gerade von Investoren eingeworben. Angeführt wurde die Series-A-Finanzierungsrunde demnach der in Luxemburg ansässige EQT Ventures Fonds, der zur Stockholmer Risiko- und Beteiligungskapitalgesellschaft EQT gehört. Beteiligt sind zudem Business Angels – darunter der EQT-Berater Chris Hitchen sowie der bisherige Investor Andreas Burike, der auch Finanzchef von Anydesk ist.

„Das Arbeiten mit Remote-Desktops war bisher für die Nutzer häufig frustrierend, da entsprechende Lösungen für Technologie optimiert waren, die vor über zehn Jahren entwickelt wurde“, sagt Anydesk-Mitgründer Weiser. Die Software seines Unternehmens biete eine bessere Performance und Bildqualität als vergleichbare Lösungen. Der Schlüssel dafür sei der selbst entwickelte Videocodec DeskRT, dank dem grafische Benutzeroberflächen mit 60 Bildern pro Sekunde und geringer Verzögerung übertragen würden.

Team soll wachsen

Bisher habe sich Anydesk abgesehen von einer Seedrunde im niedrigen sechsstelligen Bereich und einem Bankdarlehen aus dem Cashflow finanziert, erklärt Geschäftsführer Mähler auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Jetzt stehen die Zeichen auf Expansion: „Wir möchten mit dem aufgenommenen Kapital schneller wachsen und unseren Service stark verbessern.“ Dafür soll das aktuell 20-köpfige Team vergrößert werden. Aktuell sind auf der Homepage zwölf Stellen ausgeschrieben, unter anderem für Softwareentwickler und Vertriebsmitarbeiter.

Ähnlich wie Teamviewer bietet Anydesk eine für Privatpersonen kostenlos nutzbare Version an. Firmenkunden zahlen mindestens 60 Euro jährlich oder 290 Euro für eine Laufzeit von sechs Jahren. Das Start-up gibt an, dass seine Software seit der Gründung über 50 Millionen mal heruntergeladen worden sei.

Der Abstand zu Teamviewer ist indes noch groß: Die 2005 gegründete Softwareschmiede beschäftigt weltweit mehr als 700 Mitarbeiter und wurde eigenen Angaben zufolge bereits auf mehr als 1,5 Milliarden Geräten installiert. Teamviewer gehört seit 2014 zum Finanzinvestor Permira – der Unternehmenswert wird auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt.