Die Gastro-Branche braucht dringend Nachwuchs. Sozialunternehmer sehen darin eine Chance und wollen Flüchtlinge für die freien Stellen ausbilden. 

Von Daniela Schumacher

Es duftet nach Kardamom, Sumak, Koriander und geröstetem Sesam. Das Grün von zerhackten Pistazien lässt die Speisen noch köstlicher wirken, ein kräftiges, scharfes Aroma brennt leicht auf der Zunge. Falafel, Tabouleh, Baklava, Hummus und Tahina sind nur einige der Rezepte, die geflüchtete Menschen aus ihrer Heimat kennen und auch gerne hierzulande anbieten würden. Etwas, das der deutschen Gastronomie-Branche zugute käme, denn die braucht dringend Nachwuchs: 2015 blieben in Deutschland laut Berufsbildungsbericht 41.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. In der Gastronomie ist der Mangel an geeigneten Bewerbern besonders hoch: Hier blieben je nach Beruf 20-35 Prozent der Stellen unbesetzt.

Zugang zur Ausbildung

Einige Start-ups haben es sich zur Aufgabe gemacht geflüchteten Menschen einen besseren Zugang zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen ermöglichen.

„Refugee Canteen“ heißt das Projekt aus Hamburg von Lukas Halfmann und Benjamin Jürgens. Sie haben eine Akademie aufgebaut, die Geflüchteten über einen Zeitraum von 24 Wochen ein Grundlagenausbildung für gastronomische Berufe vermittelt. Gestartet wird mit dem Beruf des Kochs, 20 geflüchteten Menschen können in diesem Jahr teilnehmen, in den kommenden Jahren sollen weitere Ausbildungsberufe folgen. „Ich habe in den letzten Jahren viele Menschen aus afrikanischen Ländern an Spülen der Gastronomie verharren sehen. Sie konnten ihre Talente aufgrund von mangelnden Ausbildungen nicht nutzen“, so Jürgens. Er selbst ist seit über zehn Jahren in der Gastronomie tätig und möchte die Potenziale, die die Geflüchteten mitbringen für die Branche nutzen.

Langsames Herantasten an den Beruf

In der Akademie sollen die Geflüchteten an das Berufsfeld herangeführt werden: Im ersten zwölfwöchigen Ausbildungsblock werden die Grundlagen in Theorie und Praxis vermittelt. Dazu gehören neben dem Kochen und Ausprobieren eigener Rezeptideen in der Küche auch die Themen Teamaufbau und das Verstehen von westlichen Hierarchien und Arbeitsverträgen im Gastronomie-Betrieb sowie das Erweitern der Sprachkenntnisse mit Begriffen aus der Gastronomie.

Darauf folgt ein zwölfwöchiges Praktikum in einem der gastronomischen Partnerbetriebe. Die Betriebe werden von „Refugee Canteen“ vorqualifiziert. In Seminaren wird vermittelt aus welchen Herkunftsländern die Geflüchteten kommen, was für Schicksale und Lebensgeschichten sie erlebt haben. Durch das Programm werden die Teilnehmer an den Beruf herangeführt. Eine durchaus sinnvolle Prävention: Laut Berufsbildungsbericht 2015 brachen im Jahr 2014 48 Prozent die Ausbildung zum Koch beziehungsweise zur Köchin ab.