Gründer müssen zahlreiche juristische Kniffe kennen. Was es bei der Wahl der Rechtsform zu beachten gibt.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Andreas Bietmann, Partner der Wirtschaftssozietät Bietmann Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater in Köln.

Auch wenn es vermeintlich dringendere Themen in der Startphase gibt: Die Wahl der Rechtsform hat für Start-ups große Bedeutung. Sie entscheidet über wichtige Faktoren, die Gründer besonders zu Beginn gerne außen vor lassen: Haftungsrisiken, die Liquidität oder die Verhältnisse der Gesellschafter untereinander. Deshalb sollten Start-ups die Wahl der Rechtsform sorgfältig abwägen.

Zunächst ein wenig Theorie.

Das deutsche Gesellschaftsrecht unterscheidet zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften. Personengesellschaften entstehen durch reine Tätigkeitsaufnahme des einzelnen Gründers (Einzelunternehmen) oder bei mehreren Beteiligten durch vertragliche Absprachen zwischen den handelnden Personen. Es bedarf keiner besonderen Formalia.

Das heißt konkret: Es reichen bereits mündliche Erklärungen oder sogar so genanntes schlüssiges Verhalten zum Vertragsschluss. So sind Bands, Fahrgemeinschaften oder gar Wohngemeinschaften oftmals Gesellschaften, ohne dies zu ahnen. Es bedarf lediglich eines gemeinsamen  Zwecks.

Kapitalgesellschaften hingegen müssen strenge Formvorschriften einhalten. Die Gesellschafter  müssen einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag abschließen, diesen durch einen Notar beglaubigen lassen und die Gesellschaft ins Handelsregister eintragen lassen. Damit sind sie als juristische Person existent.

Die meisten Start-up-Unternehmer wollen vor allem loslegen. Deshalb möchten sie möglichst schnell, unkompliziert und kostengünstig gründen. Dafür empfiehlt sich neben dem Einzelunternehmen die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als einfachste Form der Personengesellschaft.

Ihre Vorteile: Es reichen zwei natürliche oder gar juristische Personen und ein gemeinsamer Zweck. Ihr wesentlicher Nachteil: Die Gesellschafter der GbR haften stets auch unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Bei Kapitalgesellschaften beschränkt sich die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen.

Anders formuliert: Wollen Gründer nicht persönlich in Regress genommen werden, sollten sie eine Kapitalgesellschaft erwägen. Hierfür brauchen sie aber nicht nur einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag und dessen notarielle Beglaubigung, sondern auch Gesellschaftskapital.

Bekannt sind vor allem zwei Formen: Bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bedarf es eines Stammkapitals von 25.000 Euro, wobei zur Gründung 12.500 Euro einstweilen ausreichen. Bei einer Aktiengesellschaft (AG) beträgt das Stammkapital 50.000 Euro.

Es geht aber auch günstiger. Mit einer Stammeinlage von einem Euro lässt sich eine Unternehmergesellschaft (UG) gründen. Angesichts der auf einen Euro beschränkten Haftungsmasse stehen Geschäftspartner der UG jedoch oftmals skeptisch gegenüber. Daher empfiehlt sich nach überstandener Startphase der Wechsel zur im Geschäftsverkehr allgemein anerkannten GmbH.

Für Start-ups kann auch eine AG attraktiv sein, immerhin genießt sie in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen. Die höhere Wertschätzung liegt natürlich auch an dem deutlich höheren Stammkapital. Der Geschäftsverkehr erhält hierdurch das Signal einer hohen Zahlungsfähigkeit und –Bereitschaft.

Ferner bedarf die AG immer eines Aufsichtsrats. Dies kann besonders für Jungunternehmer durchaus nützlich sein, wenn sie sich durch dessen Besetzung zusätzliches Wissen und Erfahrung in den Betrieb holen. Die AG unterliegt jedoch komplexen Regelungen des Aktiengesetzes, was die Geschäftsführung erschwert. Deshalb gibt es in Deutschland auch nur etwa 10.000 AGs, aber hingegen circa 500.000 GmbHs.