Das System des Start-ups schlägt Alarm, wenn eine Plane aufgeschlitzt wird. Erster Geldgeber ist der Schweizer Versicherer Helvetia.

Für die Speditionsbranche ist es ein riesiges Problem: In Deutschland werden jährlich Ladungen von knapp 26.000 Lkws gestohlen, zeigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Diebstahlprävention in Güterverkehr und Logistik. Demnach haben alleine die gestohlenen Güter einen Wert von 1,3 Milliarden Euro – hinzu kommen Schäden in Höhe von 900 Millionen Euro durch Strafen für Lieferverzögerungen, Reparaturkosten, Umsatzeinbußen und Produktionsausfälle bei den Abnehmern.

Den Dieben das Handwerk zu legen, hat sich Alarmplane.de zum Ziel gemacht. Das in Geestland bei Bremerhaven ansässige Start-up hat ein nachrüstbares Alarmsystem entwickelt, das international unter dem Markennamen Theftex vertrieben wird. Gegründet im Februar 2017, hat das bisher aus Eigenmitteln finanzierte Unternehmen nun mit dem Schweizer Versicherer Helvetia einen ersten großen Investor gewonnen.

Zur Höhe der Finanzierung wollte Alarmplane.de-Gründer Andreas Gießler auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer mit Verweis auf Verschwiegenheitserklärungen keine Angaben machen. Typischerweise beteiligt sich der Helvetia Venture Fund in Finanzierungsrunden mit Summen zwischen umgerechnet 430.000 und 1,7 Millionen Euro.

Alarmmeldung per Funk

Das System von Alarmplane.de besteht aus zwei Komponenten: Zum einen aus einer Plane, in die ein engmaschiges Drahtnetz eingenäht ist. Diese kann hinter bestehende Lkw-Planen angebracht werden. Schlitzt ein Dieb die Plane auf und durchtrennt dabei einen Draht, wird von der zweiten Komponente – einer Steuerungsbox – ein Alarmsignal ausgelöst. Parallel geht eine SMS oder eine E-Mail an die Spedition. Die Box kann auch zur Sicherung der Türen genutzt werden.

Gießler hat das System während seines Logistik-Studiums an der Hochschule Bremerhaven entwickelt und patentiert. Inzwischen widmet er sich voll dem Start-up und beschäftigt derzeit fünf Mitarbeiter. Seinen Angaben zufolge wurden bisher seit dem Marktstart im Oktober über 400 Lkws in Deutschland umgerüstet. „Unser Auftragsbuch ist prall gefüllt“, sagt Gießler.

Einstieg in den B2C-Markt geplant

Eine wichtige Rolle für den Vertrieb spielen Versicherungen, die in der Speditionsbranche tätig sind. Zur Vereinbarung mit Helvetia gehöre, dass die Maklerbüros des Konzerns die Lösung ihren Kunden vorstellen. Schon bisher gewährt der Schweizer Konzern Kunden, die die Alarmplane einbauen, einen Rabatt von bis zu 50 Prozent auf die Prämien von Transportversicherungen. Die Umrüstung eines Lkws koste ab 1.500 Euro und nehme etwa 90 Minuten in Anspruch, so Gießler.

Mit Hilfe der Finanzierung will der Gründer aber auch neue Produkte entwickeln, darunter solche für Endverbraucher. „Mit unserer Technologie kann man unter einer Plane abgestellte Motorräder genauso sichern wie beispielsweise Campingzelte“, sagt Gießler. Erste B2C-Produkte sollen nach aktuellen Planungen Mitte des kommenden Jahres auf den Markt kommen.