Agrar-Start-ups stellen sich mit ihren Produkten darauf ein, dass lange Trockenphasen besser überstanden werden können. Noch fehlt der Branche der Rückhalt der Investoren.

Von Louisa Schmidt

Es ist ausgerechnet die Braunkohle, mit der Horst Ninnemann helfen will, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Der Unternehmer hat eine alternative Verwendung gefunden für den Rohstoff, dessen Verbrennung die Erderwärmung antreibt und gegen den seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres Tausende auf die Straße gegangen sind. „Mit unserem Granulat, das auf Braunkohle basiert, können wir Böden fruchtbarer und widerstandfähiger machen“, erklärt der Mitgründer von Novihum Technologies.

Die außergewöhnlich lange anhaltende Trockenheit im Sommer störte das 2012 gegründete Unternehmen nicht – dient ihr Produkt doch dazu, Dürren besser zu meistern. Bisher hat sich das Start-up vor allem auf Spanien und die USA konzentriert, wo lange trockene Perioden regelmäßig vorkommen. „In diesem Jahr haben wir aber auch viel mehr Anfragen aus Deutschland bekommen“, so Ninnemann – auch, wenn sich das noch nicht in harten Zahlen zeige.

Die Technologie hat sich das Start-up patentieren lassen, bald will es den Bodenverbesserer im größeren Stil industriell herstellen: In Dortmund soll in den kommenden Jahren eine Anlage entstehen, die jährlich 10.000 Tonnen des humusbildenden Granulats produziert. Mehrere Investoren wie Munich Venture Partners konnte Novihum bereits von dem Produkt überzeugen.

Hitzewelle, Waldbrände, Ernteausfälle: Das vergangene Jahr hat Bürger, Politiker und auch Landwirte aufgerüttelt. Laut Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner waren etwa 10.000 Agrarbetriebe durch die Dürre in ihrer Existenz gefährdet. „Das vergangene Jahr hat deutlich gezeigt, dass die Landwirtschaft viel widerstandsfähiger werden muss. Der Schlüssel dazu ist ein gesunder, fruchtbarer Boden. Start-ups können hier einen riesigen Beitrag leisten“, sagt auch Benedikt Bösel.

Auf seinem Gut in der Nähe von Berlin testen Start-ups ihre Produkte von morgen – der Landwirt bietet den jungen Unternehmen hier Versuchsflächen an. Anfang 2016 hat er zusammen mit einer Reihe von Agtech-Start-ups im Bundesverband Deutsche Startups eine Plattform für diesen Bereich mitgegründet. Das sind Start-ups, die mit technischen Lösungen den Agrarsektor digitaler und nachhaltiger machen wollen.

Ihr Ziel: Innovationen schnell auf die Felder bringen. Mit deren Hilfe kann auch die Landwirtschaft selbst klimafreundlicher werden:  2016 entstanden über sieben Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland im Agrarsektor.

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