Nicht nur in Schnellrestaurants muss es schnell gehen, auch konventionelle Gastronomen wissen, was Hektik bedeutet. Vier Start-ups wollen nun für mehr Ruhe beim Restaurantbesuch sorgen.

An Nizzas Strandpromenade das Savoir-vivre der Côte d’Azur genießen kann so schön sein. Doch jeder Zauber ist dahin, wenn gefühlte Ewigkeiten zwischen der Bestellung und dem eigentlichen Essen oder Kaffee vergehen. Marc de Gibon und Christophe Aubert, beide aus Nizza, sahen sich in einer warmen Sommernacht im Jahr 2015 mit genau dieser Situation konfrontiert. Sie fragten sich, wie viel einfacher es wäre, eine Bestellung direkt über das Handy aufzugeben anstatt auf den Kellner warten zu müssen – die Idee für ihr Unternehmen Cuddl’Up war geboren.

Pünktliches Mittagessen auf Restaurantniveau

Cuddl’Up verspricht bis zu 15 Minuten Zeitersparnis beim Bestellen und Bezahlen.

Mittlerweile bietet die Lösung des Start-ups noch weitere Vorteile: Die Bestellung kann bereits vorab aufgegeben und auch direkt bezahlt werden. „Derzeit erzielen unsere Kunden Zahlungseingänge, die durch Cuddl’Up im Durchschnitt um 28 Prozent gewachsen sind“, sagt de Gibon über die Vorteile der App, die Restaurants Kosten und dem Gast vor allem eines spart: Zeit.

Und die spielt bekanntlich auch im Berufsleben eine entscheidende Rolle, natürlich auch in der Mittagspause. Italienisch oder asiatisch essen gehen, einen leckeren Salat oder ein Schnitzel mit Pommes? Manche kulinarischen Wünsche scheitern entweder an der Entfernung zum Restaurant oder dem dortigen Gästeaufkommen, das mit einer kurzen Pause kaum vereinbar ist. Also wird es doch die mitgebrachte Stulle von zuhause?

Mehr als 100 verschiedene Mahlzeiten nur 5 Minuten vom Büro entfernt: das kann das spanische Start-up FudyBudy.

Nicht, wenn es nach den Gründern des Start-ups FudyBudy geht. Auf der Homepage des spanischen Unternehmens kann der hungrige Büroarbeiter im Vorfeld aus einem Menü seine Mahlzeit auswählen und bestellen. Bei der Abholung in einem nahegelegenen FudyBudy-Restaurant wartet sie dann bereits auf den Kunden. Ihr Konzept beschreiben die beiden Gründer Pedro Hernández und Jaime de Wenetz in wenigen Worten: „Unser Ziel war es, gutes Essen zum Preis eines Lunchpakets anzubieten.“ Um die 5 Euro bezahlen FudyBudy-Kunden für ihr Mittagessen, das sie anschließend stressfrei verzehren können – pünktlich und ohne Wartezeit.

Wie ein Service-Button am Tisch

Der Ordercube wechselt je nach Wunsch des Gastes und seiner Wartezeit die Farbe. Das soll Kellnern die Arbeit erleichtern.

Um deren Verkürzung geht es auch Igor Suslov und Daniel Pasternak. Sie richten sich an Gäste, die es vorziehen, doch lieber nach der Arbeit und ohne Einsatz des Smartphones auswärts essen zu gehen. Die werden in Zukunft Bekanntschaft mit einem leuchtenden Würfel machen, der den gleichen Namen trägt wie das Münchener Start-up: Ordercube. Igor Suslov sagt: „Der Service-Button im Flugzeug hat uns inspiriert. So kamen wir auf die Idee für den Cube“. Dieser soll fortan nicht nur die Kerze auf dem Tisch ersetzen, sondern zur neuen Brücke zwischen Gast und Kellner werden.

Und das geht so: Hat der Gast seine Wahl getroffen, tippt er auf den Order-Button des Würfels. An der Farbe, in der der Ordercube leuchtet, erkennt der Kellner, welche Gäste am längsten warten und als erstes bedient werden sollten. Der Bezahlvorgang spielt sich anschließend genauso unkompliziert ab. Die Vorteile: Eine klare Kommunikation zwischen Bedienung und Besuchern, weniger Missverständnisse und zufriedenere Gäste.

Kitro weiß, was weggeworfen wird

Die Lösung von Kitro soll in der Gastronomie mehr Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren.

Sollten beim Restaurantbesuch Speisen übrig bleiben, die der Gast nicht mit nach Hause nehmen möchte, kommt eine andere, ebenfalls quaderförmige Box zum Einsatz. Die Kombination aus Hard- und Software des Schweizer Start-ups Kitro erfasst Lebensmittelabfälle, managt sie und überwacht ihre Wege – oder sorgt dafür, dass sie gar nicht erst anfallen.

Zwei Drittel der überschüssigen Nahrungsmittel landen derzeit auf dem Müll. Allein die Schweiz zahlt mehr als eine Milliarde Franken für die Entsorgung von Millionen Tonnen an Lebensmitteln. „Wir möchten unseren Kunden Zeit und Kosten sparen und ihnen ein umweltbewusstes Handeln ermöglichen“, sagt Anastasia Hofmann. Sie hat das Unternehmen 2016 zusammen mit Naomi MacKenzie gegründet. Denn vor allem mit mehr Zeit können sich Gastronomen statt um Essensabfälle auf die konzentrieren, die ihr Geschäft ausmachen: Gäste, die sich wohlfühlen.

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