Von New York aus beobachtet Andreas Wuerfel mit seinem Team die Trends in der Gastronomie und Hotellerie. Die Stadt, die niemals schläft, sei wie ein Leuchtturm für die Branche, sagt Wuerfel. Seine Erkenntnisse teilt das Team der Metro-Tochter HoReCa digital auch mit den Teilnehmern des Retail-Accelerators. Im Interview erklärt der Director Global Innovation Community METRO, warum die Metro bei der Digitalisierung ihrer Kunden auf die Kraft von Start-ups setzt und was junge Unternehmen in Gastronomie und Handel besonders erfolgreich macht.

Andreas, Metro hat in den vergangenen Jahren stark um die Gunst von Start-ups geworben. Warum ist die Förderung junger Unternehmen plötzlich so interessant geworden?
Wir stellen fest, dass unsere Kunden durch einen Transformationsprozess gehen. Gäste von heute wissen viel mehr über Angebote und Trends in der Gastronomie oder im Handel. Mit diesem Wissen verändert sich ihr Konsumverhalten und mittelbar also auch das Verhalten der Händler und Gastronomen: unseren Kunden. Die Kooperationen mit Start-ups tragen diesem Trend Rechnung und sorgen dafür, dass alle bei der Transformation mitgenommen werden.

Das ist die Aufgabe der Metro-Tochter HoReCa digital, für die du arbeitest. HoReCa steht für Hotel, Restaurant, Catering. Das hat rein begrifflich jetzt nicht so viel mit dem Einzelhandel zu tun, um den es sich aktuell beim Retail-Accelerator dreht.
Das stimmt. Unser Start in die Accelerator Programme war der Bereich  Gastro-Technologie. Anfangs ging es uns ausschließlich um unsere Gastronomie-Kunden und deren Kunden, also die Gäste. Die Frage war: Wie können wir diese beiden Gruppen auf dem Weg in das digitale Zeitalter optimal unterstützen? Das Retail-Programm schaut nun zusätzlich auf die Konsumwelt im Einzelhandel und unterstützt damit Metro und Real-Kunden beim Einkauf. Wir sind durch den Retail-Accelerator also in der Lage, die gesamte Bandbreite unserer Kundschaft aus beiden Branchen mit innovativen Lösungen zu versorgen.

Und das könnte Metro ohne die Start-ups der Accelerator-Programme nicht?
Die Entwicklungszyklen im Technologiebereich sind kürzer als je zuvor. Das bekommen Großunternehmen in jeder Branche zu spüren. Es ist also für Konzerne wie Metro enorm wichtig, frühzeitig an neuen Entwicklungen teilzuhaben, um sie rechtzeitig ihren Kunden zugänglich machen zu können. Und da kommen die Start-ups ins Spiel. Sie sind eine bunte, externe F&E-Abteilung, in diesem Fall für den Einzelhandel. Sie entwickeln innovative neue Lösungen schneller als große Unternehmen, weil sie nicht in bekannten Strukturen denken müssen und somit offener für Impulse von außen sind.

Was ein Gastro- oder Retail-Start-up erfolgreich macht

Unter den Accelerator-Teilnehmern sind viele internationale Teams. Bringen Start-ups aus verschiedenen Ländern andere Sichtweisen und Geschäftsmodelle für dieselbe Branche mit?
Die Herangehensweise an Probleme oder die Entwicklung von Geschäftsmodellen ist keine Frage der Geografie. Viel mehr prägt unsere Teilnehmer die Tatsache, dass sie in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem moderne Telekommunikation, soziale Medien und die Nutzung von Technologie selbstverständlich sind. Sie suchen nach den besten Ideen, den nützlichsten Informationen, und das global. Daraus erstellen sie ihre Lösung für ihren jeweiligen Markt.

Was ist denn das Geheimnis einer erfolgreichen Lösung für die Gastronomie- bzw. Retail-Branche?
Innovationen im Gastronomiebereich oder im Handel hängen stark von lokalen Regularien ab. Das betrifft vor allem Lösungen, die Abläufe oder Strukturen von Unternehmen betreffen. Hier sind die Start-ups gefragt. Ihr System muss schlüsselfertig und schnell einsatzbereit sein, nur dann werden sich Interessenten dafür finden.

Die Gretchenfrage zum Schluss: Beim Blick auf die diesjährigen Teilnehmer kann man zwei Ansätze erkennen. Die einen entwickeln ein neues Produkt für einen bestimmten Einsatzzweck, die anderen verknüpfen bestehende Daten und Dienstleistungen zu einem größeren Mehrwert. Ist ein Ansatz besser als der andere?
Für Erfolg gibt es kein Patentrezept. Entscheidend ist, kundenorientiert zu denken. Ob das auf der Hardware- oder auf der Software-Ebene geschieht, ist eher nachrangig. Datenbezogene Leistungen unterliegen zudem einer ganz anderen Wirtschaftlichkeit als physische Produkte, was den Vergleich beider Ansätze erschwert. Datenlösungen lassen sich wie ein Teppich ausbreiten bei relativ geringen Kosten. Hardware-Lösungen sind teurer in der Entwicklung, sorgen im Gegenzug aber auch für andere Margen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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