Das Start-up Frag Paul hat steile Lern- und Wachstumskurven hinter sich. Im Metro Accelerator haben die drei Gründer vor allem gelernt, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren, um wirklich zu glänzen.

Von null auf hundert? Für Frag Paul war das nicht genug. Das Start-up aus Köln hat die Marke von hundert Kunden schon im Februar hinter sich gelassen; im Herbst vergangenen Jahres waren es nur fünf. Ende März knüpfte Frag Paul bei der Hospitality-Messe Internorga Kontakt zu über 500 Gastronomen und baut jetzt die Vertriebsmannschaft aus, um die vielen Interessenten auch versorgen zu können.

Die Nachfrage nach dem Produkt ist riesig. Frag Paul ist eine Software, mit der Restaurants ihr Personal unkompliziert verwalten können. Unternehmen können mit dem virtuellen Assistenten Dienste und Abwesenheiten planen, die Lohnabrechnung verwalten und Arbeitszeiten erfassen. In einer Branche, in der Mitarbeiter besonders stark fluktuieren und in einem oft komplexen Schichtsystem zusammenarbeiten, ist eine solche digitale Lösung längst überfällig.

Das schlägt sich inzwischen in der Wachstumskurve nieder: Am Anfang standen drei Gründer. Inzwischen zählt Frag Paul sieben Mitarbeiter, Ende April soll es ein zweistelliges Team sein, sagt Unternehmenschef und Mitgründer Marc Stratmann.

Fundraising dank guter Einnahmen derzeit kein Thema

Die Idee kam dem Wirtschaftsinformatiker Stratmann im Restaurant seiner Eltern in Süddeutschland. Ihre Stärke war die gute deutsche Küche, nicht die Personalverwaltung, doch ohne Letzteres lässt sich kein Restaurantbetrieb leiten. Noch als Student gründete er deshalb 2014 mit seinen Partnern Wladislaw Kanewski und Peter Praeder die Firma, die Gastronomen wie seinen Eltern das Leben leichter machen sollte.

Richtig Gas gegeben hat Frag Paul, seit das Start-up in den Metro Accelerator powered by Techstars aufgenommen wurde. Teilnehmende Gründer erhalten finanzielle Unterstützung, den Rat von Experten aus der Gastronomie, Networking-Chancen und jede Menge andere Unterstützung. Frag Paul ist Mitglied der zweiten Accelerator-Runde; die zehn Start-ups der ersten Runde haben inzwischen Investitionsgelder in Höhe von 52 Millionen Euro eingesammelt.

Marc Stratmann ist einer von zwei Geschäftsführern von Frag Paul.

Und was konnte Frag Paul bisher an Investitionen an Land ziehen? Genug, lautet die überraschende Antwort: „Im Moment beschäftigen wir uns nicht aktiv mit dem Fundraising“, sagt Stratmann. Mit den laufenden Einnahmen, der Investition des Accelerators und einem Business Angel sei man im Moment gut versorgt. „Der Fokus liegt aktuell auf dem Geschäft. Wir wollen zeigen, dass wir ein skalierbares Geschäftsmodell haben. Wir halten Kontakt zu potenziellen Investoren und wollen im dritten Quartal in die nächste Finanzierungsrunde gehen.“

Gerade hat Frag Paul eine internationale Steuerberaterkanzlei als Partner gewonnen. Mit diesem bietet das Start-up jetzt auch an, für Gastronomiebetriebe die komplette Lohnabrechnung abzuwickeln. Für Kunden ist das ein Zusatzdienst, für Frag Paul eine brandneue Umsatzquelle.

Zusammenarbeit mit Metro läuft weiter

Während schon die Bewerbungsphase für die dritte Accelerator-Runde läuft, wird Frag Paul auch nach Ende des Programms weiter mit Metro zusammenarbeiten.

„Die wichtigste Erkenntnis aus dem Accelerator war sicherlich die Fokussierung“, sagt Stratmann. Am Anfang wollten die Gründer ihre Software noch allen Branchen anbieten. „Die Personalverwaltung ist in allen Branchen zu 80 Prozent identisch. Von den Mentoren aus dem Accelerator und unseren Kunden haben wir gelernt, dass wir die übrigen 20 Prozent anvisieren und auf die speziellen Bedürfnisse der Gastronomie eingehen sollten.“

Stratmann und seine Mitgründer hatten eine gute Idee, im Accelerator lernten sie jedoch erst, andere für diese zu begeistern. Zum Zeitpunkt der Gründung hieß die Firma resment; vor einigen Monaten benannten sie das Start-up in Frag Paul um – ein freundlicher Name, der sich leichter einprägt und gleich zum Handeln auffordert.

Neben Kundengesprächen, Mentoren-Meetings, einem kompletten Rebranding und dem sonstigen Tagesgeschäft eines Gründers hat Stratmann Mitte Dezember auch noch Zeit gefunden zu heiraten. „Zum Schluss wurde es doch stressiger als erwartet“, sagt er. „Aber es war ein toller Tag.“ Die Hochzeitsreise muss aber vorerst noch warten. Vielleicht weiß Paul ja, wann Stratmann sich mal zwei Wochen dafür freischaufeln kann.

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