Smarte Bilderkennung, ein selbstfahrender Kiosk und intelligente Sensoren: Drei Start-ups verbinden auf innovative Weise Kunden und Händler mit ihren Produkten.

Egal ob Hose, Handtasche oder Handyhülle – verliebt sich ein Verbraucher in ein Produkt, startet die mühselige Suche nach dem Objekt der Begierde: Wie heißt das Produkt? Von welcher Marke ist es? Wo kann man es kaufen? Das ist aufwendig, kostet Zeit und endet im Zweifel frustrierend ohne Kaufoption. Pawel Kolacz bietet mit seinem 2017 gegründeten Start-up Iambot dafür eine Lösung. Zusammen mit Roman Bartusiak und Wojciech Czajkowski entwickelte er den SnapShop Bot.

Die Anwendung ist denkbar einfach: Der zukünftige Kunde fotografiert das gewünschte Produkt mit seinem Smartphone und schickt das Foto per Facebook-Messenger an Iambot. Per Bilderkennungssoftware erfasst die künstliche Intelligenz alle relevanten Produktdaten und spuckt im Gegenzug Kaufoptionen aus. In Sekundenschnelle erfährt der Verbraucher, welche der angebundenen Webshops das Objekt der Begierde oder würdigen Ersatz dafür im Angebot haben.

Die Technologie will mit der zielgerichteten Suchhilfe nicht bloß beim Endverbraucher punkten. Händler sind ebenso im Fokus des Gründer-Trios, denn mit der SnapShop Box bekommt der hart umkämpfte E-Commerce einen neuen Verkaufskanal.

Snacks werden hollywoodtauglich serviert

Einen solchen bietet ebenfalls der MIO mobile robot kiosk des Start-ups MIO Technologies. Anders als bei Iambot liegt bei dem knuffigen Gefährt der Fokus klar auf der physischen Interaktion mit den Kunden. Emile Gozelskyte, neben Roman Drokov und Mangirdas Skripka Teil des Gründerteams, sagt: „Es geht nicht nur darum, jemandem eine Cola oder ein Wasser zu verkaufen, sondern darum, Menschen mit Maschinen in Kontakt zu bringen.“

Folgerichtig steckt in Gozelskytes Maschine, getauft als MIO the robot, tatsächlich viel mehr als Snacks und Kaltgetränke. MIO kommt in der Erscheinung eines rollenden Droiden wie aus einem Sci-Fi-Film daher und bringt hollywoodtaugliche Fähigkeiten mit. Er bewegt sich autonom, weicht gekonnt Hindernissen aus und füllt automatisch Waren nach. Über ein intuitives Interface wählt der Kunde die gewünschte Ware aus und zahlt ganz komfortabel kontaktlos. „Informationen können wir jederzeit auf unseren Smartphones abrufen“, sagt Emile Gozelskyte, „aber bei physischen Waren ist es immer noch kompliziert. Unsere Roboter verbinden darum die Menschen direkt mit den Produkten, egal wo sie sind.“

Warentransport überwachen– günstig und präzise

Natürlich soll MIO die Produkte frisch abliefern. Das ist im Interesse des Kunden und vor allem in dem von Lebensmittelhändlern und Logistik-Unternehmen, für die eine unterbrochene Kühlkette hohe Einbußen bedeuten kann. Genau dieser Herausforderung hat sich das portugiesische Start-up Sensefinity gestellt. Ihre Lösung sind Cloud-gestützte Sensoren, die zu jeder Zeit Position, Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck zum Beispiel in einer Transportbox erfassen – und Alarm schlagen, sollte einer der Werte Unregelmäßigkeiten aufweisen.

Im Gegensatz zu RFID-Transpondern lokalisiert das System die Sensoren punktgenau. Start-up-Gründer Orlando Remedios fasst die Vorteile zusammen: „Die Sensoren sind sofort einsetzbar, günstig und liefern präzise Tracking-Daten. Ein solches System hat es bislang nicht gegeben.“ Damit könnte Sensefinity zu einem Selbstläufer werden. Und selbst dabei wüsste das Unternehmen dann wahrscheinlich genau, wo es steht.