Die Digitalisierung hat den Onlinehandel längst tiefgreifend verändert und hält nun langsam im Lebensmittelhandel Einzug. Die Koch-App KptnCook und die B2B-Plattform Whole Surplus leuchten die neu entstehenden Geschäftsmodelle auf unterschiedlichste Weise aus.

Man steht nach Feierabend im Supermarkt, kann sich nicht entscheiden zwischen Kartoffeln, Reis oder schon wieder Nudeln – und greift am Ende doch zum Fertiggericht oder ruft den Pizzadienst an. Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist im eng getakteten Alltag zum Luxusgut geworden. Eines, zu dem Alexander Reeg und Eva Hoefer gestressten Menschen mit ihrem Start-up KptnCook verhelfen wollen.

Die Berliner Jungunternehmer haben erstmals 2014 eine App entwickelt, die bei der Entscheidungsfindung für die abendliche Mahlzeit hilft und auch gleich das Rezept samt Einkaufsliste mitliefert. Dabei werden nur Zutaten berücksichtigt, die im nächstgelegenen Markt von Rewe, Edeka, Real und einigen anderen auch tatsächlich zum Sortiment gehören.

Die Idee zu der Koch-App, die seit ihrer ersten Version eine beachtliche Entwicklung hinter sich hat, sei aus einem persönlichen Bedürfnis der beiden Gründer heraus entstanden, sagt Alexander Reeg. „Wir wollen wissen, was in unserem Essen ist, wir möchten den vollen Überblick, was genau wir zu uns nehmen.“

Und damit das Ganze sowohl schmeckt als auch ausgewogen ist, findet sich in der siebenköpfigen Crew aus Entrepreneuren, Designern und Techies ebenfalls ein Ernährungswissenschaftler. Ein großes Team von Food-Bloggern unterstützt sie bei der Entwicklung neuer Rezepte. Diese müssen ein Kriterium auf jeden Fall erfüllen: „Wir stellen sicher, dass die 30-Minuten-Marke nicht überschritten wird“, sagt Eva Hoefer. Mehr Zeit soll nämlich von der Zubereitung bis zum Essgenuss nicht vergehen.

Das allein macht KptnCook allerdings nicht einzigartig. „Eine App, die kreatives Kochen in kurzer Zeit mit den vorhandenen Waren im Supermarkt zusammenbringt, hatte es bislang nicht gegeben“, sagt die Mitbegründerin des Start-ups.

Quelle: Whole Surplus

Whole Surplus: Nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln

Auf den Lebensmitteln, die die Märkte nicht verkaufen, gründet wiederum das Projekt Whole Surplus sein Geschäftsmodell. Der Istanbuler Jungunternehmer Olcay Silahli wird wie die Berliner vom Förderprogramm Metro Accelerator unterstützt. Sein Ziel: der Verschwendung von Lebensmitteln, englisch Foodwaste, entgegenzuwirken. Und dies hat neben ökonomischen auch durchaus ökologische Gründe.

Rund acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen fallen unter anderem bei Herstellung, Transport und Vertrieb von Nahrungsmitteln an, die letztendlich in der Tonne landen. Indem sie Handel und Hilfsorganisationen zusammenbringt, sorgt die B2B-Plattform Whole Surplus für ein optimiertes Warenmanagement der Lebensmittelhändler und für effizientere Projektabläufe der Hilfsorganisationen.

„Bei einem Aufenthalt in Kenia hatte ich die Idee eines nachhaltigen Wirtschaftsmodells, das Menschen hilft und sich selbst finanziert“, sagt Gründer Silahli. Foodwaste sei für ihn eines der dringlichsten Probleme der heutigen Zeit: „Weltweit wird ein Drittel der Lebensmittel vernichtet. Das entspricht 30 Milliarden Euro, die vermeidbar wären.“ 40 Tonnen hiervon konnte Whole Surplus in den ersten drei Monaten nach der Gründung bereits einem sinnvolleren Zweck zuführen – ein Erfolg, der viel verspricht.

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