Der Einzelhandel wird zur Ideenschmiede, zum Dienstleister, natürlich mithilfe von jede Menge High-Tech – in den nächsten Jahren wird kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Welche Veränderungen auf den Einzelhandel zukommen und wie die Branche den Wandel meistern will, umreißt Hitmeister-Gründer und eCommerce-Experte Gerald Schönbucher anhand von vier Trends. Teil eins mit den Trends eins und zwei.

Das Shopping-Erlebnis im Netz: Einkaufszentrum statt Boutique

Boutiquen und kleine Läden haben es nicht nur in der Innenstadt, sondern auch im Internet schwer. Verbraucher wollen eine möglichst große Auswahl und alles auf ihrer Einkaufsliste an einem Ort finden. Läden, in denen sie nicht fündig werden, betreten sie beim nächsten Mal womöglich gar nicht mehr.

An der Kasse soll jede beliebige Bezahlmethode akzeptiert werden – ob Bargeld, Visakarte oder Paypal. Im Online-Shop fallen auch die Lieferzeiten ins Gewicht: Wer sich auf die neu erstandenen Schuhe oder Gadgets freut, will darauf keine zwei Wochen warten.

Und bei alledem muss ein Online-Shop klar durchdacht und perfekt umgesetzt sein: Wer sich in einem unübersichtlichen Shop nicht zurechtfindet oder sich ärgert, weil die Seite mit dem Warenkorb zu langsam lädt, schließt das Browser-Fenster gern auch mal, bevor er die Bestellung aufgibt.

Gerald Schönbucher.

All das ist für die Schwergewichte im Einzelhandel leichter zu meistern als für einen kleinen Spezialhändler. Sie können die Größenvorteile nutzen, Verbrauchern Auswahl und Komfort bieten, und dabei die Kosten in Schach halten. „Große Online-Plattformen können zum Beispiel mit Payment-Anbietern bessere Konditionen aushandeln“, sagt Gerald Schönbucher, Managing Director von Real Digital und Mitgründer des Online-Marktplatzes Hitmeister. Die Transaktionsgebühren der Payment-Anbieter belasten kleinere Händler oft stark.

Die größten deutschen Online-Händler haben diesen Trend längst erkannt. Genau wie Amazon bieten inzwischen auch Otto und Zalando Dritten die Möglichkeit, ihre Waren über ihre Plattform zu vertreiben. So können Kunden im Otto-Shop zum Beispiel auch aus dem Sortiment von baby-walz, Butlers und bücher.de auswählen. „Online-Plattformen werden den Einzelhandel dominieren“, sagt Schönbucher.

Der Einzelhandel wird zum Dienstleister

Früher war das Geschäft der Einzelhändler simpel: Sie kauften Waren in großen Mengen ein und verkauften sie etwas teurer an den Endverbraucher weiter. Aus dieser Handelsmarge schöpften sie ihren Gewinn.

Das digitale Zeitalter eröffnet dem Einzelhandel neue Einnahmequellen. Versteht sich ein Einzelhändler als Online-Marktplatz, kann er zum Beispiel Dritthändler gegen eine Provision Zugang zur Plattform gewähren. Bieten Händler ihren Kunden eine Ratenfinanzierung an, können sie mit Banken eine Gebühr für die Vermittlung des Geschäfts vereinbaren.

Eine weitere potenzielle Umsatzquelle ist die Werbung. „Wer auf der Ergebnisseite beim Shoppen bis ganz nach unten gescrollt hat, wird wahrscheinlich auch nicht mehr fündig“, sagt Schönbucher. „Einzelhändler können ihre Reichweite gut nutzen, um an dieser Stelle Werbung auszuspielen – auch von Konkurrenten.“

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