So mancher hatte den stationären Handel längst abgeschrieben. Gegen die Konkurrenz im Netz würden die Innenstadtfilialen nicht ankommen. Vier Start-ups wollen die Untergangsstimmung im stationären Einzelhandel jetzt vertreiben – indem sie in die Trickkiste der Online-Händler greifen.

Wenn der Laden leer und die Regale voll bleiben und Kunden lieber woanders kaufen, tappen Händler oftmals im Dunkeln: Liegt es an den Preisen, am Personal, am Erscheinungsbild des Ladens? Der Online-Handel profitiert von einer Flut an Daten, die diese Fragen im Handumdrehen beantwortet. Die traditionellen Händler hingegen haben sich mit solchen Technologien bisher schwergetan. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom sagen zwei Drittel der Einzelhändler, dass die Digitalisierung für sie eine große Herausforderung sei.

Die Start-ups Epinium, Oriient, Sensei und JustSnap wollen es jetzt auch dem stationären Einzelhandel ermöglichen, von der Macht der Kundendaten Gebrauch zu machen.

Aus Kundenbewertungen schlauer werden mit Epinium. Quelle: www.epinium.com

Das spanische Start-up Epinium Analytics wertet Preise und Kundenrezensionen im Netz in Echtzeit aus. So wird es auch für den Einzelhandel erstmals möglich, mit der sehr variablen Preis- und Sortimentsgestaltung der Online-Händler mitzuhalten. „Unsere Kunden sehen in unserer Plattform die Möglichkeit, Wünsche ihrer Kunden besser zu verstehen, Markttrends leichter zu entdecken, und Wettbewerber besser einzuschätzen“, sagt Epinium-Gründer Carlos Martínez Barrigua.

Wertvolle Einblicke in die Entscheidungswelt der Kunden

Während Epinium die Welt der Einzelhändler analysiert, nimmt die junge Firma Sensei aus Lissabon den Verbraucher in den Fokus. Sensei wandelt schon vorhandene Kameras in den Filialen in Sensoren um und bietet dem stationären Handel dadurch Einblicke, die bisher dem Online-Handel vorbehalten waren.

Sensei kombiniert Bilddaten mit Markt- und Wetterinformationen. Quelle: www.sensei.tech

„Meine Familie ist seit 50 Jahren im Retail-Segment tätig. Deshalb weiß ich auch, was stationären Händlern unter den Nägeln brennt“, sagt Joana Rafael, Mitgründerin von Sensei. „Ihnen fehlte bislang die Möglichkeit, das Kaufverhalten ihrer Kunden umfassend zu verstehen.“ Vor welchen Produkten bleiben Einkäufer stehen, warum entscheiden sie sich dafür oder dagegen? Die Bilddaten kombiniert Sensei mit anderen Daten wie Markt- und Wetterinformationen. Heraus kommt dabei ein tiefer Einblick in die Entscheidungswelt der Kunden – ganz ohne teure Statistiken und Verbraucherumfragen.

 

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