Das Finale des ersten Metro Accelerator for Retail zieht fast 250 Investoren an. Neben Ideen für die Handelsbranche liefert der Demo Day aber noch eine weitere Erkenntnis.

Irgendwo hier gehen sie zu Ende, die wahrscheinlich wertvollsten zwölf Wochen in der jungen Geschichte von neun Unternehmen: zwischen Rasierschaum und Käsetheke. Es ist vielleicht der beste Platz, den sie sich vorstellen können, abgesehen von dem auf einer Bühne vor rund 250 Investoren in Berlin.

Die Start-ups des ersten Metro Accelerator for Retail klatschen sich in Krefeld warm für ihren großen Auftritt in der Hauptstadt wenige Tage später. Jedes Start-up muss sich in fünf Minuten bestmöglich präsentieren. Nach etwas mehr als 45 Minuten Intensivinformation ist Schluss. Applaus. Metro-Mitarbeiter aus der Region sind gekommen, um die jungen Unternehmen zu sehen, und auch, um sie mit Fragen zu löchern.

„Schon allein deshalb hat sich die Teilnahme gelohnt“

Kein Thema ist tabu, von Umsatzerwartungen bis zu technischen Hintergründen. Investoren fragen mindestens genauso kritisch. All das geschieht in einer Umgebung, in der einige der Start-up-Lösungen später im Einsatz sein könnten; in einem Geschäft, natürlich nicht in irgendeinem, sondern in der Markthalle Krefeld, wie die Metro-Tochter Real einen ihrer innovativsten Läden in Deutschland nennt.

Eva Hoefer, COO bei Kptn Cook.

Der Eindruck, den die Gespräche mit den Start-ups dort an ihren kleinen Stehtischen inmitten es laufenden Einkaufsbetriebs hinterlassen, ist überaus positiv: Alle geförderten Unternehmer (Hier alle noch mal im Überblick) sind dankbar für die Zeit mit ihren Mentoren und den Teams von Metro und Programmpartner Techstars.

„Wir haben uns vor unserer Bewerbung bei ehemaligen Teilnehmern erkundigt und gehört, wie hochwertig das Mentoren-Netzwerk sein soll“, berichtet beispielsweise Eva Hoefner, COO der Koch-App Kptn Cook. „Rückblickend ist nun klar: Schon allein deshalb hat sich die Teilnahme für uns gelohnt.“ Ob konzeptioneller Denkanstoß oder unternehmerische Detailkritik – der Accelerator habe alles geliefert, was die Weiterentwicklung des Unternehmens beschleunigt hat.

Investieren in Maßen

Metro-Chef Olaf Koch

Metro-Chef Olaf Koch.

Von diesem Reifeprozess hört auch immer wieder, wer an diesem Tag mit Metro-Chef Olaf Koch spricht. Während des Accelerators war er öfter bei den Teilnehmern vor Ort und ist es nach dem Warm-up in Krefeld auch beim Investor’s Day in Berlin. Wäre das Accelerator-Programm ein Produkt, hätte es sich bei steigender Nachfrage weiterentwickelt. Also schnell die nächsten Programme auflegen und noch mehr Plätze schaffen? Koch winkt ab. „Lieber nicht“, sagt er. „Die Qualität in der Betreuung würde zu sehr leiden. Die aktuelle Größe ist schon anspruchsvoll.“

Wie (markt)reif die Start-ups auf Dauer sein können, müsse sich ohnehin erst zeigen. Investitionen über die bis zu 120.000 Euro, die das Programm ermöglicht, sind deshalb kein Thema. „Zu früh zu stark zu investieren, nimmt die Motivation, den Hunger“, sagt Koch. Natürlich sei ein Engagement auch für Metro am Ende eine Frage des Risikoprofils.

Förderung zur richtigen Zeit

Dass das Risiko offenbar kalkulierbar ist, zeigen die knapp 250 Investoren und Branchenexperten, die es Tage nach dem Intermezzo in Krefeld zum Demo Day nach Berlin zieht. „Das große Interesse der Investoren zeigt, dass der Metro Accelerator for Retail powered by Techstars genau zur richtigen Zeit in den Markt gekommen ist“, resümiert Alexander Hafner, Managing Director Techstars für den Metro Accelerator for Retail. „Heute sehen wir, dass Innovatoren und Investoren die gemeinsame Plattform des Demo Day zu nutzen wissen.“

Natürlich wird erst in einigen Monaten klar sein, wie viel Kapital die neun Start-ups aus sieben Ländern aus Investorenhand auf sich vereinigen konnten. Die Erfahrung der früheren Metro Accelerator-Jahrgänge im Hospitality-Bereich lässt Gutes vermuten. In der Markthalle Krefeld könnten sie dann vielleicht sagen, zwischen Rasierschaum und Käsetheke hätten vor kurzer Zeit auch mal ein paar (unternehmerische) Edelsteine gestanden.

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