An Versicherungen gegen Hackerangriffe will die Berliner Firma Cari verdienen – über ihre Plattform CyberDirekt. Eine verbesserte Risikoanalyse soll mehr Nutzer anlocken.

Für den Ausbau des Versicherungsvertriebs über das Portal CyberDirekt hat sich das Start-up Cari eine Seed-Finanzierung in Höhe von 1,2 Millionen Euro gesichert. Zu den Geldgebern gehört die Berlin Technologie Holding (BTH), die bevorzugt in Finanztechnologie-Firmen sowie Geschäftsmodelle aus dem sogenannten Internet of Things (IoT) investiert. Außerdem sind an der Finanzierungsrunde mehrere Business Angels beteiligt, die Cari jedoch auch auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht namentlich nennt.

Das Start-up mit Sitz in Berlin bündelt auf seiner Plattform verschiedene Versicherungsprodukte für Firmen, die sich vor Hackerangriffen, Datenverlust und damit verbundenen Haftungsrisiken schützen wollen. Unter der Marke CyberDirekt arbeitet Cari als sogenannter Mehrfachagent und vertreibt Policen für die Anbieter HDI, AIG, Hiscox und Markel. Rechtlich gesehen vertritt die Firma die Versicherer und deren Produkte, berät im Gegensatz zum Makler also nicht unabhängig. Auf der Online-Plattform lassen sich Angebote einholen und Prämien vergleichen. Die potenziellen Firmenkunden geben dafür ihre Branche und den Jahresumsatz an. So errechnet Cari das Risiko und damit den Preis für die Versicherung.

Mit seinem Angebot nimmt das im Juli vergangenen Jahres gegründete Start-up insbesondere Unternehmen und Freiberufler mit einem Umsatz von bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr ins Visier. Das Werbeversprechen: Eine Absicherung gegen Cyber-Risiken sei bereits ab 400 Euro Jahresprämie möglich. Zehn Mitarbeiter sind derzeit für das Portal tätig.

Fokus auf Risikobewertung

Mit dem frischen Kapital will die junge Firma insbesondere ihre Risikoanalyse verbessern. Konkret versucht das Start-up, das herkömmliche Verfahren mittels Fragebögen effizienter gestalten. Denn derzeit laufe die Auswertung oftmals noch händisch. Neue Technologien könnten nach Angaben der Berliner dabei helfen, den Antragsprozess zu vereinfachen und mögliche Angriffspunkte für Cyber-Attacken genauer zu erfassen.

Gründer und Geschäftsführer Hanno Pingsmann setzt künftig vestärkt auf die Zusammenarbeit mit unabhängigen Versicherungsvermittlern: „Der Versicherungsmakler ist die wichtigste Verbindung zum Kunden – an diesem Grundsatz wird auch die Digitalisierung nichts ändern. Denn Firmenkunden vertrauen beim Thema Versicherungen grundsätzlich ihrem Makler, der das Unternehmen und den individuellen Bedarf am besten einschätzen kann“, erklärt Pingsmann auf Anfrage. „Wir verstehen unsere Aufgabe darin, den Makler beim Vertrieb von Cyber-Versicherungen zu unterstützen.“ Konkret hofft das Start-up darauf, dass Makler in Zukunft Verträge über das CyberDirekt-Portal abschließen. Dafür erhielten sie eine „marktübliche Vergütung“.

Als Argument für eine Cyber-Police führt Pingsmann die verschärften Datenschutzgesetze an: „Die Mehrheit der Unternehmer hat noch nicht realisiert, dass eine Cyber-Attacke schnell zu einer Datensicherheitsverletzung führen kann.“ Auch seine Geldgeber sehen große Chancen in dem Geschäftsfeld: „Der Markt für Cyber-Versicherungen bietet extreme Wachstumschancen und Potenzial zur Etablierung von neuen technologiebasierten Lösungen. Die Branche steht hier ganz am Anfang und wir möchten diese Entwicklung mit unternehmerischer Perspektive langfristig begleiten”, lässt sich Joern-Carlos Kuntze, Managing Partner des Investors BTH, in einer Pressemitteilung zitieren.

Wandel in der Führungsetage

Am Aufbau der Firma Cari war kurzzeitig Seriengründer Adrian Graf beteiligt – für knapp drei Monate war er als Geschäftsführer eingetragen. Graf hat die 2013 gescheiterte Hotelbuchungsplattform Hipaway mitgegründet und anschließend das Start-up Discavo aufgezogen, das sein Geld mit Hotelvergleichen verdienen will und zum Konzern ProSiebenSat.1 Media gehört. „Adrian hat uns insbesondere in der frühen Phase der Konzeption mit seiner Erfahrung im Aufbau von Unternehmen und seinem Netzwerk unterstützt und uns damit viele Türen geöffnet“, so Cari-Geschäftsführer Pingsmann. „Er hat dann selbst entschieden, dass er den Markteintritt nicht weiter mit uns gestalten möchte – das war eine transparente und ehrliche Entscheidung, die ich sehr respektiere.“