Die meisten Förderprogramme werden von Gründern gut bewertet, zeigt eine aktuelle Studie. Ihre Wunschliste kollidiert häufig mit den Zielen der Anbieter.

Gründer sind mit den in Deutschland angebotenen Acceleratoren-Programmen von Konzernen und Organisationen grundsätzlich zufrieden – auch wenn auf die Teilnahme nicht immer direkte Erfolgserlebnisse folgten. Das zeigt das Acceleratoren-Ranking der Rheinischen Fachhochschule (RFH) Köln, welches in dieser Woche veröffentlicht wurde.

Die Ergebnisse basieren auf einer Untersuchung der RFH, die dafür mit 110 Gründern gesprochen hat, die insgesamt an 30 verschiedenen Acceleratoren teilgenommen haben (hier geht es zum PDF). Die Studie, die in den kommenden Jahren regelmäßig aktualisiert werden soll, hat auf eine mögliche Folgefinanzierung der Start-ups ebenso geschaut wie auf eine gesteigerte Bewertung. Daneben ging es auch darum, wie die Gründer das durch die Förderprogramme erweiterte Netzwerk bewerten.

Die besten Noten sammelten dabei der von der Finlab AG unterstützte Iconiq Lab Token Accelerator, das Spin Lab der Handelshochschule Leipzig sowie der deutsche Ableger des US-Anbieters Techstars. Die Hälfte der Acceleratoren-Programme wurde jedoch nicht bewertet, weil zu wenige Rückmeldungen zulagen – darüber wurden sind einige weitere Initiativen in dem unübersichtlichen Feld der Start-up-Förderungen gar nicht berücksichtigt.

Keine Garantie auf Investitionen

Was die finanzielle Bewertung ihres Start-ups anging, lohnte sich die Teilnahme für die meisten Unternehmen. Lagen vor dem Programm etwa ein Drittel der Firmen unter 100.000 Euro Firmenwert, waren es nach der Förderung nur noch zehn Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil von Start-ups mit einer Bewertung über 2,5 Millionen Euro von 20 Prozent auf knapp 55 Prozent.

Auch wenn sich der virtuelle Wert steigert, blieben jedoch direkte Investitionen für die Teilnehmer häufig aus. „Bei der Folgefinanzierung besteht bei den deutschen Acceleratoren weiteres Verbesserungspotenzial“, analysiert Professor Kai Buehler von der RFH. Fast 40 Prozent der Start-ups, die ein Förderprogramm durchlaufen hatten, erhielten innerhalb eines Jahres keine Folgefinanzierung. Immerhin jedes fünfte Start-up sicherte sich jedoch mehr als eine Million Euro Risikokapital in dem Zeitraum.

Dennoch wünschten sich die Gründer den Kontakt zu einem breit gefächerten Investorennetzwerk. Bei Acceleratoren, die explizit von Konzernen gestartet sind, beschränkt sich das Netzwerk dabei häufig naturgemäß auf Beteiligungsgesellschaften der Unternehmen selbst.

Individuellere Betreuung gewünscht

Ebenfalls auf der Wunschliste der Gründer: Eine passgenauere Betreuung der jungen Unternehmen, die häufig in einem sehr unterschiedlichen Status in ein solches Förderprogramm starten. „Gründer wünschen sich Inhalte und Lerninhalte, die individuell auf ihren Unternehmens-Lebenszyklus angepasst sind“, schreibt Wissenschaftler Buehler.

Gerade in größeren Kohorten und bei dezentralen Programmen ist das für die Acceleratoren-Programme jedoch häufig schwer zu leisten, ohne deutlich stärker in das eigene Personal zu investieren. Tendenziell waren im vergangenen Jahr eher Sparmaßnahmen zu beobachten: Sky strich sein Förderprogramm ganz, die Allianz baute zum reinen Investor um und Telefónica setzt auf Kooperationen, die sich schneller auch für den Konzern auszahlen.