Die Ausgründung des Versicherers erhält eine kräftige Kapitalspritze von der Muttergesellschaft – und will nun nach Österreich und Frankreich expandieren.

Bewegung auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Nachdem das Berliner Start-up Auto1 im Januar eine halbe Milliarde Euro eingesammelt hat, prescht nun die Allianz vor. Wie der Versicherer heute bekannt gab, erhält Abracar – eine Ausgründung der Beteiligungseinheit Allianz X – von der Muttergesellschaft eine Kapitalspritze in Höhe von 11,5 Millionen Euro. Das 2016 gegründete Unternehmen vermittelt Gebrauchtwagen von privaten Verkäufern an private Käufer.

An dem Spin-Off sind neben Allianz X auch die Gründer Sebastian Jost und Orhan Köroglu sowie Mitarbeiter als Gesellschafter beteiligt. Durch die Finanzierungsrunde ändere sich die grundsätzliche Eigentümerstruktur nicht, erklärte Jost auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Mit dem frischen Kapital will Abracar sein Geschäft in Deutschland ausbauen eine Expansion in die Nachbarländer Österreich und Frankreich vorbereiten. Der Marktstart dort ist noch bis Ende 2018 geplant.

Während Auto1 vorwiegend über seine Plattform Wirkaufdeinauto.de Gebrauchtwagen ankauft und an Händler wiederverkauft, versteht sich Abracar als Vermittler. Der Verkäufer gibt Fahrzeugdaten und seine Preisvorstellung online ein, ein unabhängiger Gutachter schaut sich das Auto dann genauer an und macht Fotos. Im nächsten Schritt erstellt Abracar Inserate auf Portalen wie Autoscout24 und mobile.de. Hat es der Verkäufer eilig, so Jost, könne das Fahrzeug auch Händlern angeboten werden. Bei seriösen Kaufanfragen wird der Kaufpreis verhandelt und ein Besichtigungstermin arrangiert.

Versicherungen als Dreingabe

Für den Service nimmt Abracar eine Provision von vier Prozent des Verkaufspreises, mindestens aber 399 Euro und maximal 999 Euro. Das Unternehmen weist darauf hin, dass diese Gebühr weit entfernt von der üblichen Händlermarge sei. Diese liege bei bis zu 20 Prozent.

Eine Besonderheit ist die Absicherung der Transaktionen, die durch den Mutterkonzern realisiert wird: Inbegriffen ist eine zweimonatige Allianz-Gebrauchtwarengarantie, die auf Wunsch verlängerbar ist. Auch eine Rechtsschutzversicherung für Käufer und Verkäufer ist inklusive. Vermittelt wird Käufern bei Bedarf zudem eine passende Kfz-Versicherung und eine Finanzierung.

Nach eigenen Angaben erhält Abracar monatlich Neuaufträge im Fahrzeugwert von mehr als zehn Millionen Euro – der Durchschnittspreis der vermittelten Gebrauchtwagen liege bei 15.000 Euro. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 22 Mitarbeiter. Das Geschäftsmodell hat offenbar auch Auto1 aufmerksam verfolgt. Vor einigen Monaten startete der Platzhirsch ebenfalls ein Angebot für den Direktverkauf von Gebrauchtwagen.

Trotz der Konkurrenzsituation: An anderer Stelle arbeitet die Allianz mit Auto1 zusammen. Gemeinsam mit der Deutschen Bank haben die Unternehmen kürzlich ein Fintech aus der Taufe gehoben, wie das Handelsblatt (€) berichtete. Dieses soll als eine Art Autobank Händlern helfen, Ankäufe schneller zu refinanzieren.